Aus für Kunstmesse "Viennacontemporary": "Nicht finanzierbar"

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Mitarbeiter wurden gekündigt - hohe Verbindlichkeiten und Verfahren wegen ausständiger Mieten sowie fehlende Unterstützung als Hintergrund.

Am 19. Dezember 2025 veröffentlichte Abaseh Mirvali, die charismatische, erst 2025 neu bestellte künstlerische Leiterin der Kunstmesse "Viennacontemporary", noch einen Weihnachtsgruß auf Instagram - mit einem Gruppenfoto des stattlichen Messeteams und dem Wunsch, dass die 2025 gelegten Grundlagen "künftiges Wachstum, neue Perspektiven und einen kontinuierlichen künstlerischen Dialog" ermöglichen würden. 

Doch das Fundament bröckelte da schon. Im Gespräch mit dem KURIER bestätigt nun der Geschäftsführer der Trägergesellschaft, Markus Huber (nicht mit dem Autor verwandt) das Aus: "Die Viennacontemporary wird in der bisherigen Form als internationale Kunstmesse nicht weitergeführt". Unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen sei das Format nicht mehr finanzierbar. 

Sowohl die Situation der öffentlichen Budgets als auch die damit eng verbundenen Sponsorenpotenziale ließen eine Durchführung derzeit nicht zu, erklärt Huber - zumindest nicht in dem ambitionierten Format, das den Messeverantwortlichen, Shareholdern gemeinsam mit dem Galerienverband und der Stadt Wien 2023 vorgeschwebt war: Der Plan sei gewesen, die Kräfte Wiens in einem "Kunstherbst" zu bündeln und damit international zu strahlen.

Bereits im Dezember - einen Tag vor Mirvalis optimistischem Statement - hatte der Standard über finanzielle Schieflagen bei der Trägergesellschaft berichtet. Am Donnerstag verwies das Webmedium artmagazine.cc auf die zahlreichen Personalabgänge. Inzwischen ist nur noch Huber als Geschäftsführer auf der Website der Messe gelistet.

Die Hintergründe des Messe-Schiffbruchs sind komplex und haben mittelbar mit dem Ukrainekrieg und dem langjährigen Hauptfinancier und Miteigentümer der Messe, dem russischen Unternehmer, Dmitry Aksenov, zu tun: Dieser hatte die Messe, die ihr jährliches Budget von rund 1, 5 Millionen Euro allein über Standmieten nicht finanzieren über Jahre mit teils hohen Summen unterstützt, die Summen wurden aber als Verlustvorträge in der Bilanz verbucht. 

Als im Februar 2022 der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine startete, zog sich Aksenov als Teilhaber zurück. Er werde der Messe aber "freundschaftlich verbunden bleiben", hieß es damals - und er behielt Rechte an der Marke "Viennacontemporary".

Summierte Verbindlichkeiten

 Die Personen, die die Anteile übernahmen, deckten die aufgrund der Verlustvorträge ausständigen Summen mit Darlehen. So summierten sich die Verbindlichkeiten über die Jahre.

Hinzu kamen ausständige Mieten, die die Messe Wien, die über die "Wiener Messe Besitz GmbH" zur Wien Holding gehört, zuletzt einklagte, und die Kosten aus einem Verfahren gegen den Betreiber der Marx Halle, das die Trägergesellschaft der  Viennacontemporary verlor. Man werde diese Schulden begleichen, erklärt Huber im Gespräch. Die Verbindlichkeiten aus den Verlustvorträgen seien eine "bilanztechnische Fazilität", sofern man verständige neue Eigentümer finde - und Aksenov weiter gewillt ist, die Marke weiterzuführen.

PK "VIENNACONTEMPORARY 2021 - NEUERUNGEN, SCHWERPUNKTE UND AUSBLICK": AKSENOV

Martin Janda, Obmann des Verbandes Österreichischer Galerien moderner Kunst, gibt sich angesichts der Entwicklungen enttäuscht, aber nicht überrascht. "Die finanziellen Schwierigkeiten sowie die problematische finanzielle Gebarung und die chaotische Firmenstruktur waren bereits seit längerer Zeit Gegenstand von Diskussionen", erklärt der Galerist gegenüber dem KURIER.  

Für Wien, wo die Messe mehrfach den Standort gewechselt und 2024 in der Messe Wien einen durch die Starkregenereignisse verpatzten Neustart hingelegt hatte, war die Ausgabe 2025 jedenfalls als Erfolg wahrgenommen worden - auch wenn der Kunstmarkt generell zuletzt mit gebremster Kauflust zu kämpfen hatte. 

"Wien braucht starke Plattform"

"Als Galerienverband ist es uns ein zentrales Anliegen, dass es in Wien eine starke Plattform für Galerien gibt", sagt Janda. "Die Vielzahl an Kunstmessen in Wien ist für Interessierte und SammlerInnen mittlerweile unübersichtlich und mitunter kontraproduktiv. Wien braucht wenige, aber sehr gut gemachte Messen. Die letzte Ausgabe der Vienna Contemporary unter der Führung von Abaseh Mirvali, Christina Wagner und Fanny Zerz hat eindrücklich gezeigt, in welche Richtung eine gut gemachte Messe gehen könnte. Dass dieses Team gekündigt wurde, verwundert sehr." 

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