Belle & Sebastian wandern gemeinsam in die Disco.

© Soren Solkaer

Auf der Tanzfläche mit Belle & Sebastian
01/20/2015

Auf der Tanzfläche mit Belle & Sebastian

CD-Kritik: Die schottische Band klingt auf ihrem neuen Album anders, aber nicht fremd.

von Marco Weise

Es beginnt so, wie man sich ein neues Album von Belle & Sebastian vorstellt: In "Nobody’s Empire" kraulen einem die Gitarren-Akkorde das Goderl, der Bass schnurrt um die Ecke und Stuart Murdoch singt mit sanfter Stimme über seine Jugend. Es ist die Geschichte eines schwachen Mannes, der unter Chronischem Erschöpfungssyndrom leidet und ans Bett gefesselt ist. Der sich in ein ebenfalls krankes Mädchen verliebt, in ihre Stimme, ihren Gesang, ihre Lieder: Musik als Therapie.

"Mit 19 ging es mir richtig schlecht. Keiner konnte mir sagen, was genau mit mir los war. Ich war komplett isoliert – dafür hatte ich aber jede Menge Zeit zum Träumen. Und ich habe angefangen, Songs zu schreiben. Das war meine Rettung", sagt Murdoch.

Frischer Schwung

Der Schotte blickt auf dem neuen Belle-&-Sebastian-Album "Girls In Peacetime Want To Dance" aber nur am Beginn zurück. Danach nimmt er mit seiner 1996 in Glasgow gegründeten Band Schwung auf und tänzelt unbeschwert durch den Alltag: "The Party Line" besticht mit funky Gitarren und stampfenden Disco-Beats. Diese neue Leichtigkeit war von Murdoch von Anfang an geplant: Bevor es zu den Aufnahmen mit Produzent Ben H. Allen (Animal Collective, Gnarls Barkley) in die USA ging, verkündete er im Rolling Stone, dass die neuen Songs von alten Eurovisions-Beiträgen inspiriert seien. Eine Nummer solle sich zum Beispiel anfühlen wie der Beitrag Deutschlands im Jahr 1989. Zum Glück klingt das Ergebnis nicht nach der von Nino de Angelo gesungenen Dieter-Bohlen-Komposition "Flieger" – wobei "Enter Sylvia Plath" mit den käsigen Synthesizer-Melodien in diese, ästhetisch fragwürdige Richtung geht. Fans von niedlichen Folk-Pop-Balladen, für die die Schotten seit Jahren stehen, werden nun die Augenbraue sorgenvoll heben. Zu Recht.

Erholung bieten "The Everlasting Muse", das mit Klezmer-Rhythmen im Refrain zum Schunkeln einlädt, und "Ever Had A Little Faith?" mit verträumter Melancholie. Danach ist wieder Disco-Time: "Play For Today" verbindet afro-karibische Calypso-Klänge mit Elektro-Beats.

Die Zusammenführung der vielfältigen Sounds geht sich am Ende zwar irgendwie aus, aber phasenweise muten einem Belle & Sebastian zu viel Schmalz zu. Einen Schnaps, bitte!

KURIER-Wertung:

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.