Alsop und das RSO mit einem Geschenk an eine "zutiefst intuitive Musikerin“
Der Komponist John Adams nennt Marin Alsop eine „zutiefst intuitive Musikerin“. Sie sei eine der wenigen am Pult, "denen ich zutraue, dass sie das Richtige, mit dem, was ich geschrieben habe, tun.“ Sein zehnminütiger musikalischer Essay „The rock you stand on“ ist sein Geschenk an sie. In der Liste der Auftraggeber dieses Werks findet sich neben dem Wiener Konzerthaus auch das ORF Radiosymphonieorchester, mit dem Alsop bei der österreichischen Erstaufführung im Konzerthaus das Pulsierende der Energie von Adams Musik hervorhebt.
Präzise lotet sie den Dialog der Streicher aus. Die regelmäßig angeschlagenen Akkorde klingen bei ihr wie eine liebevolle Satire auf die Minimalmusic von Philipp Glass. Wie Einsprengsel aus einer anderen Zeit klingen plötzlich in diesem rhythmischen Dickicht Streicherpassagen an, die an Richard Strauss erinnern. Subtil lässt Alsop das Jazzige als Grundierung im Hintergrund mitswingen. Dass Adams„ Komposition jäh im Chaos endet, klingt bei ihrer auf Genauigkeit ausgerichteten Lesart wie eine Pointe.
Passend setzt Alsop mit dem Violinkonzert von Samuel Barber mit Maria Ioudenitsch als Solistin fort. Die Geigerin verlegt ihren Schwerpunkt auf die lyrischen Momente. Mit satten, sicheren Strichen intoniert sie die melancholischen Passagen, die rasanten mit trotziger Intensität. Alsop und das RSO schaffen ihr einen Hollywood-reifen Klangteppich. Zurecht wird die Solistin nach einer Zugabe bejubelt.
Mit explosiven Ausbrüchen hebt Alsop Richard Strauss„ „Don Juan“ an. Manches an ihrer Lesart mutet übertrieben an, wie das Schwelgen im Übermaß und das Auskosten der Effekte, ergibt aber im großen Ganzen ein schlüssiges Klangbild. Maurice Ravels „Daphnis et Chloé“ lässt die Dirigentin mit dem Orchester, das ihr mit Hingabe folgt, zum Gemälde aus dichten, gesättigten Farben werden. Viele Bravos.
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