Alain Delon spielte die Hauptrolle und produzierte Joseph Loseys „Monsieur Klein“

© Festival de Cannes

Kultur
05/20/2019

Alain Delon in Cannes: „Die Kamera ist eine Frau“

Der französische Star-Schauspieler Alain Delon erhält trotz Protesten die Goldene Ehrenpalme Cannes.

Die erste Goldene Palme ist bereits vergeben. Sie geht an den französischen Star-Schauspieler Alain Delon, der auf dem Filmfestival in Cannes für sein Lebenswerk geehrt wird.

Nicht alle waren über diese Entscheidung von Cannes-Chef Thierry Frémaux, ihm diese Ehre zu erweisen, erfreut. Delon hatte zugegeben, in der Vergangenheit Frauen geschlagen zu haben, stellt sich gegen das Adoptionsrecht von Schwulen und gilt als erzkonservativ (der KURIER berichtete).

Trotz Kontroversen im Vorfeld geriet sein Auftritt bei einem moderierten Interview vor Publikum zu einem großen Love-Fest. Der 83-Jährige trat entspannt und jovial mit offenem Hemdkragen vor seine Fans, wurde mit Jubelrufen und standing ovations begrüßt. „Ich bin eigentlich nicht gekommen, um hier zu weinen“, schniefte Delon und musste sich verdächtig oft über die Augen wischen. Im Gespräch mit dem französischen Journalisten Samuel Blumenberg ließ er – unterstützt von Filmausschnitten – seine Karriere Revue passieren.

Besonders ein Clip aus Luchino Viscontis „Rocco und seine Brüder“ (1960), in dem man den blutjungen Schauspieler an der Seite der mittlerweile verstorbenen Annie Girardot sieht, brachte Delon kurz aus der Fassung.

Ohnehin wären es die Frauen gewesen, die ihn zum Kino gebracht hätten, beteuert er im Rückblick auf seine Karriere: „Ich verdanke alles den Frauen. Ohne sie wäre ich längst tot.“ Und nicht nur das: „Für mich ist die Kamera eine Frau, der ich in die Augen schaue.“ Dieses Flirt-Verhältnis zum Apparat lässt sich gut nachvollziehen, zumal Delon ja bekanntlich, wie er heute bescheiden von sich selbst sagt, „früher einmal recht fesch gewesen ist“.

Atemberaubend schön

Tatsächlich war Alain Delons Schönheit legendär, und sie bleibt auch im Rückblick auf seine alten Filme bis heute atemberaubend.

Er selbst kann sich ein paar saloppe Bemerkungen über seine (ehemalige) Attraktivität nicht verkneifen („Ich habe nicht die Polizei gerufen, wenn Frauen mit mir schlafen wollten.“) und zwinkert auch gerne mal jovial in Richtung junges, weibliches Publikum.

Angesprochen auf Romy Schneider, mit der er eine spektakuläre Beziehung geführt hatte, und ihre erste Zusammenarbeit nach der Trennung in „Der Swimmingpool“ (1969), wird Delon wieder ernsthaft bis traurig.

Eigentlich wollten die Produzenten von „Swimmingpool“ den damaligen US-Star Angie Dickinson für die weibliche Hauptrolle engagieren, doch er habe auf Romy Schneider bestanden: „Entweder sie, oder der Film findet nicht statt.“

„Der Swimmingpool“, ein Triumph bei Publikum und Presse, war für Romy Schneider ein wichtiger Karriereschritt: „Aber ich selbst kann mir den Film nicht mehr anschauen – aus privaten Gründen“, sagt Delon und bekommt schon wieder feuchte Augen.

Anlässlich seiner Gala-Premiere hat er sich die Vorführung eines Films ausgesucht, in dem er nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern den er auch selbst produziert hat: Joseph Loseys „Monsieur Klein“ (1976).

Losey galt als Kommunist, stand auf der sogenannten „Blacklist“ und hatte die USA verlassen müssen. Das hielt Delon, einen überzeugten Gaullisten, aber nicht davon ab, mit ihm zusammenzuarbeiten. Auch inhaltlich griff der Film, der sich mit der Deportation und Vernichtung französischer Juden beschäftigt, ein heikles Thema auf.

Ursprünglich hätte „Monsieur Klein“ einen guten Ausgang nehmen sollen, doch Delon bestand darauf, die Geschichte tragisch zu erzählen: „Ich wollte kein Happyend.“ Unter großem Applaus verließ er die Bühne. Fragen aus dem Publikum durften keine gestellt werden.