© APA/HERBERT PFARRHOFER

Kritik
11/06/2019

Adam Green in Wien: In der Dampfblase des Anti-Folk

Der 38-jährige New Yorker war am Dienstagabend im Flex.

von Bernhard Hanisch

Er täuscht nur Unbeholfenheit und Zufälligkeit vor, zu exakt steuert er sämtliche Extremitäten, mit denen er Takt und Rhythmus sichtbar übersetzt. Adam Green hat die Bühne im Flex betreten, die an diesem Dienstagabend als dampfende, bis zum Zerplatzen gefüllte Blase dem musikalischen Mainstream entschwebt.

Der 38-jährige New Yorker hat sie alle im Griff. Von der ersten Sekunde an ist sie spürbar, die Kontaktfreudigkeit, die wechselseitige Liebesbeziehung, die sich Green im Lauf der Jahre aufgebaut hat. Artgerecht ist er geblieben,       ein vielleicht durchgeknallter, aber nie peinlicher Sympathieträger. Rockstar zu sein, bleibt bloße Koketterie, Gegensätzliches ist sein Programm, „Anti-Folk“ heißt der selbst ernannte Stil.

 

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Durchgeknallt

Er wolle ein Gesamtkunstwerk schaffen, sagt Adam Green. Malerei, Dichtung, Filme mit eigenhändig geformten Pappmaschee-Bildern hat er versucht, um selbige als Bankrott machende „life-fucking machine“ zu  erkennen. Und das alles passt wie gut erfunden in den geschichtlichen Zufall, ein Urenkel von Felice Bauer, der Verlobten von Franz Kafka, zu sein.

Gerade eben gefällt er wieder als Songwriter. Im Querschnitt seines – nach eigenen Angaben – oft der Bekifftheit entsprungenen Kreativität befindet sich Altbekanntes wie „Emely“, „Gemstones“ „The Prince’s Bad“ „Friends of Mine“ und „Jessica“. Songs mit zumeist undurchschaubaren, in der Wortwahl nicht zimperlichen Texten. Auf Studioversionen mit lieblichen Streicheinheiten untermalt, zeichnen sie oft ein in die 1960er transferierendes Stimmungsbild. 

Auch die Begleitung einer dreiköpfigen Live-Band schadet dem Liedgut nicht. Als hätte es eines weiteren Beweises bedurft, verbirgt sich der Mann hinter den Tasten  unter einem „Afro“, den die Welt seit Billy Preston nicht mehr gesehen hat.

Drei Nummern aus dem neuen  Album Engine Of Paradise fügen sich nahtlos ein. Sein „elegantestes Werk, in dem die schmutzigen Worte fehlen“, wie der Rolling Stone kürzlich festgestellt hat.

Und am Ende muss es sein. „Dance with Me“ bedeutet das finale Ritual. Adam Green lässt sich ins Publikum fallen und von ausgestreckten Händen durch den schlauchförmigen Saal tragen. Hin und zurück. Ein letzter Liebesakt, der schließlich die enge Beziehung am Leben erhält.

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