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71. Filmfestspiele Venedig
08/28/2014

Venedig ehrt Sophia Loren mit Schau

Utl.: Anlässlich des 80. Geburtstags der Diva

Die Filmfestspiele in Venedig feiern Sophia Loren anlässlich ihres 80. Geburtstags, der am 20. September gefeiert wird. "Ieri, Oggi, Sophia" (Gestern, heute, Sophia) lautet der Titel der Fotoausstellung, die der italienischen Diva im Kinopalast des Festivals am Lido gewidmet ist. Porträts der Schauspielerin und Bilder aus ihren Filmen zeigen die wichtigsten Etappen in der Karriere Lorens.

Bilder zeigen die Ikone des italienischen Films unter anderem mit Starregisseur Vittorio De Sica, der mehrere Filme mit Sophia Loren gedreht hat. In diesem Jahr wird des 40. Todestags De Sicas gedacht. Die Bilderausstellung zeigt auch unvergessliche Partner an Lorens Seite wie Marcello Mastroianni und Jean-Paul Belmondo. Noch unklar ist, ob Loren in den nächsten Tagen in Venedig erscheinen wird.

Die Diva steht auch im Rampenlicht eines ihr gewidmeten Dokumentarfilms. In Venedig wird außerdem eine restaurierte Version von "Una giornata particolare" (Ein besonderer Tag) mit ihr und Mastroianni gezeigt.

Sophia Loren, die letzte Legende

Marcello Mastroianni, Vittorio De Sica , Cary Grant, Clark Gable, Charlton Heston, Gregory Peck – das sind nur einige der Stars, mit denen sie in Hollywood und in den römischen Cinecittà-Studios vor der Kamera stand. Heute, mit 80 Jahren, ist die Loren die letzte lebende Legende dieser versunkenen Kinowelt.

"Ich habe versucht, das Beste aus meinem Leben zu machen", sagte sie, als ich sie 1978 in Oberösterreich zum Interview traf. "Nur keine Verrücktheiten, keine Extreme, ich will eine ganz normale Frau sein." Nachsatz: "So weit das in meinem Beruf möglich ist." Die Loren drehte damals in Bayern den US-Film "Verstecktes Ziel", wohnte aber im grenznahen Hotel Seewirt in der Gemeinde Franking im Innviertel.

Bilder aus einer bewegten Karriere

Arabeske

Conti Loren

El Cid

BRITAIN GREGORY PECK 1965

PECK LOREN

Der Untergang des römischen Reiches

Copyright: Alexander TUMA WIEN, 24.02.1995 Wien, …

Der Bigamie bezichtigt

Tatsächlich war Sophia Loren während unseres Gesprächs weit davon entfernt, irgendwelche Allüren einer Diva zu zeigen, sie war natürlich und unkompliziert, etwa wenn sie auf ihren Mann Carlo Ponti zu sprechen kam, "dem ich alles verdanke, was ich bin". Die Loren hatte Italiens bedeutendsten Filmproduzenten 1950 bei der Wahl zur "Miss Rom" (bei der sie nur Zweite wurde) kennen gelernt, er verpasste der aus armen Verhältnissen stammenden Sophia Scicolone den Namen Loren und machte sie zum Star. Legal heiraten konnten sie erst 1966, als der Staat Pontis Scheidung von seiner ersten Frau anerkannte. Bis dahin wurden er und die Loren von den italienischen Behörden der Bigamie bezichtigt.

Erotische Wirkung

Sophia war 1934 unehelich in Rom zur Welt gekommen und ist bei Neapel aufgewachsen. Ihre Mutter schickte sie zu Schönheitswettbewerben, während die Loren selbst sich als hässliches Entlein empfand. Als sie 1951 als Statistin in dem Film "Quo Vadis" mitwirkte und Regisseur Lee Roy ihr Sex-Appeal auffiel, wies er sie an, sich auszuziehen. Von der kleinen Nacktszene war’s ein weiter Weg zur Weltkarriere, die bis heute anhält. Carlo Ponti erkannte, dass sie keine bloße Sexbombe ist, sondern eine große Schauspielerin mit enormer erotischer Wirkung. Sie hat mehr als 100 Filme gedreht, darunter Klassiker wie "Und dennoch leben sie", "Gestern, heute und morgen" und "Hochzeit auf italienisch".

Ich muss nicht weiter erwähnen, dass sie mir von der Begegnung, damals beim Seewirt im Innviertel, als wunderschöne Frau in Erinnerung geblieben ist. Jeder Schritt war der einer Grande Dame, jeder Augenaufschlag, jede Geste hatten Stil. Sie war 43 Jahre alt und immer noch mit einer geradezu jugendlichen Figur gesegnet. Und das, obwohl sie – wie mir das Hotelpersonal anvertraute – keinerlei Diät hielt und vorrangig Wiener Schnitzel mit Pommes Frites und danach Schokoladenkuchen speiste.

Skandalfrei

Die Schauspielerin führte ein weitgehend skandalfreies Privatleben, auch wenn es immer wieder Gerüchte um eine Trennung von dem um 21 Jahre älteren Carlo Ponti gab, doch die Ehe hielt bis zu seinem Tod 2007 im Alter von 94 Jahren. Die zweifache Oscar-Preisträgerin drehte auch danach mehrere Filme, darunter "Nine" mit Penélope Cruz und Nicole Kidman.

Gerade als ich sie im April 1978 beim Seewirt traf, stand ihr Name in den Schlagzeilen, weil ihr die italienischen Finanzbehörden Steuerhinterziehung vorwarfen. Die Loren war deshalb aus der Ponti-Villa in Marino bei Rom aus- und in eine Mietwohnung in Paris eingezogen. "Ja, ich habe ein Problem", erklärte sie, als ich sie danach fragte, "aber es wird ein Happy-End geben. Ich freue mich, bald wieder in meiner Heimat Italien leben zu können."

Das konnte sie tatsächlich – wenn auch unter wenig erfreulichen Umständen: Rund zwei Jahre nach unserem Gespräch in Oberösterreich wurde sie wegen der ihr angelasteten Steuerdelikte verurteilt, und im Mai 1982 musste "La Loren" in der Haftanstalt von Caserta eine 30-tägige Gefängnisstrafe absitzen. Ganz Italien war damals aus dem Häuschen.

Besuch am Opernball

Auch im Februar 1995 wunderte sich ihre große Fan-Gemeinde. Diesmal, weil die sonst zurückgezogen lebende Loren als Gast von Baumeister Lugner zum Wiener Opernball kam. Sie hätte die Einladung aus nostalgischen Gründen angenommen, verriet sie, weil sie 1960 mit Vittorio De Sica und Maurice Chevalier in Wien den Film "Prinzessin Olympia" gedreht und sich damals in die Stadt verliebt hätte. "Ich habe mir geschworen, eines Tages zurückzukehren, und der Opernball war die Gelegenheit dazu".

Befremden löst schließlich bei vielen ihrer Landsleute das politische Umfeld der weltoffenen Diva aus. Ihre Schwester war mit dem Sohn des "Duce" Benito Mussolini verheiratet, und deren Tochter Alessandra Mussolini führte jahrelang die neofaschistische Partei Italiens an, der sie heute noch angehört. "Tante Sophia" hat ihre Nichte, die sich in jungen Jahren als Schauspielerin versuchte, unterstützt und nie zu ihrer politischen Tätigkeit Stellung bezogen. Die einzige Aussage des Weltstars zu diesem Thema lautete: "Ich interessiere mich nicht für Politik."

Eine 80-Jährige gespielt

Als die Loren gerade 30 war, spielte sie im Film "Lady L." neben David Niven und Paul Newman – mit Hilfe von sehr viel Schminke – eine 80-jährige Frau. "Ich hoffe", schrieb sie in ihren 1979 erschienenen Memoiren, "dass ich, wenn ich wirklich 80 bin, so sein werde wie Lady L. Ich sehe mich schon im Kreise meiner Söhne, meiner Enkel und meines Mannes, der mir dann die Show stehlen wird, weil er vor wenigen Monaten 100 Jahre alt geworden ist..."

Nicht alle Wünsche, aber doch sehr viele sind Sophia Loren in Erfüllung gegangen.

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