"Birdman" - Alejandro González IÑÁRRITU
mit Michael Keaton, Zach Galifianakis, Edward Norton, Andrea Riseborough, Amy Ryan, Emma Stone, Naomi Watts
USA
119 Minuten

© La Biennale / Verleih

71. Filmfestspiele
08/27/2014

Filmischer Schlagabtausch in Venedig gestartet

Dokumentarfilm von Ulrich Seidl läuft außer Konkurrenz. Veronika Franz und Severin Fiala sind mit dem Horrorfilm "Ich seh/Ich seh" am Lido vertreten.

In Venedig eröffnen heute, Mittwoch, die 71. Internationalen Filmfestspiele. Zum Auftakt ist die Komödie "Birdman" des Mexikaners Alejandro Gonzalez Inarritu zu sehen, die mit Stars wie Michael Keaton, Edward Norton und Naomi Watts prominent besetzt ist. Im Wettbewerb des ältesten Filmfestivals der Welt konkurrieren bis 6. September 20 Beiträge um den Hauptpreis, den Goldenen Löwen.

Österreichische Produktionen sind heuer nicht im Wettbewerb vertreten, dafür ist Ulrich Seidls neuer Dokumentarfilm "Im Keller" außer Konkurrenz zu sehen. "Ich seh/Ich seh" von Veronika Franz und Severin Fiala ist darüber hinaus in der Orizzonti-Schiene programmiert (siehe Interview unten), und Constantin Wulffs TV-Porträt "Ulrich Seidl - A Director At Work" wird am Rande des Festivals auf dem Filmmarkt präsentiert.

Die Wettbewerbsfilme der 71. Filmfestspiele von Venedig im Überblick

Seidl und Franz: Horror im Alltag, Hölle im Alltag

Die 71. Filmfestspiele von Venedig eröffnen Mittwochabend. Als einzige österreichische Teilnehmer treten Ulrich Seidl, Veronika Franz – langjährige Filmkritikerin des KURIER – und ihr Co-Regisseur Severin Fiala an. Von Seidl läuft der Essay-Film "Im Keller" im Wettbewerb außer Konkurrenz. Seine Langzeit-Partnerin und Drehbuch-Co-Autorin Franz zeigt, gemeinsam mit Fiala, ihr Spielfilmdebüt: "Ich seh Ich seh" ist ein Horrorfilm, der in der renommierten Reihe Orizzonti läuft. Ein Gespräch über Horror, Keller und rote Teppiche.

KURIER: Herr Seidl, haben Sie geahnt, dass in Ihrer langjährigen Partnerin, Drehbuch-Co-Autorin und Regieassistentin Veronika Franz auch eine Regisseurin steckt?

Ulrich Seidl: Nein. Allerdings hat es allmählich angefangen. Zuerst gab es ein kleineres Projekt, den Doku-Film "Kern". Dass noch etwas nachkommen wird, war klar.

Veronika Franz: Er hätte gar nicht wissen können, dass eine Regisseurin in mir steckt, weil ich es selber nicht wusste. Es ist ein Unterschied, ob man mit 25 oder 30 entscheidet, auf die Filmakademie zu gehen, oder ob man sich, wie ich, ein Leben lang mit Film beschäftigt. Der Schritt dazu, es dann selber zu machen, war ein Prozess. Ich habe sehr viel durch meine Arbeit mit Ulrich gelernt.

KURIER: Wenn man lange mit Ulrich Seidl zusammenarbeitet – ist es dann logisch, dass man als Spielfilmdebüt einen Horrorfilm macht?

Franz: (lacht) Selbstverständlich! Ich finde, Ulrich macht auch Horrorfilme, und zwar auf ganz andere Weise. Nicht Blut- und Beuschel-Filme, sondern über Dinge, die Horror im Alltag sind.

Seidl: Ich würde nie behaupten, dass ich Horrorfilme mache. Das schreiben manche Journalisten. Eher erzähle ich von der Hölle im Alltag.

Franz: Werner Herzog hat über deine Filme gesagt: "Ich habe noch nie in meinem Leben so in die Hölle geschaut." Da könnte man schon argumentieren, dass das in gewisser Hinsicht Horrorfilme sind.

Seidl: Ja, aber das steht bei mir nicht am Anfang. Ganz im Gegensatz zu eurem Film: Ihr habt euch ja explizit vorgenommen, einen Horrorfilm zu machen.

KURIER: Worum geht es?

Franz: Der Film spielt in einem allein stehenden Haus am Land und handelt von einer Mutter, die nach einer Operation einbandagiert nach Hause zu ihren Zwillingsbuben kommt. Sie sieht unheimlich aus und verhält sich anders als früher. Die Buben beginnen zu bezweifeln, dass diese Frau ihre Mutter ist.

KURIER: Herr Seidl, Sie sind mit Ihrer Produktionsfirma auch der Produzent von "Ich seh Ich seh". Worin bestand Ihre Funktion?

Seidl: Den Film zu unterstützen – immer im Sinn der beiden Regisseure, aber auch mit der finanziellen Verantwortung gegenüber unserer Produktionsfirma. Ich habe bei den Vorentscheidungen – der Wahl der Drehorte, der Auswahl der Zwillingsbuben – mitgesprochen, aber nie beim Dreh selber. Ich bin nicht hinter ihnen gestanden und habe Ezzes gegeben. Erst danach habe ich mir die Muster angeschaut, und wir haben die Ergebnisse besprochen.

KURIER:Und was Sie gesehen haben, hat Ihnen gefallen?

Seidl: Nicht immer. Der Film hat einen Prozess gemacht und ist im Schnitt und in der Postproduktion immer besser geworden.

KURIER: Wie viel "Seidl" steckt in "Ich seh Ich seh"?

Franz: Severin (Severin Fiala, der Co-Regisseur, Anm.) und ich haben eine Einstellung im Film, die nennen wir immer das "Seidl-Bild": Da sieht man, wie die Zwillinge am Bett sitzen und synchron Würstel essen. (lacht)

KURIER: "Im Keller" läuft im Hauptwettbewerb außer Konkurrenz. Worum geht es?

Seidl:"Im Keller" ist ein dokumentarischer Essayfilm und hat den Keller in vielerlei Hinsicht zum Thema. Ich habe einmal festgestellt, dass die Österreicher sehr gerne ihre Zeit im Keller verbringen. Da gibt es den Arbeitskeller und Bastelkeller, aber auch die Kellersauna oder die Kellerbar. Viele Leute gehen in den Keller, wenn sie so sein wollen, wie sie wirklich sind. Dort ist man ungestört. Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass der Keller der Ort der Dunkelheit, der Angst und des Verbrechens ist.

KURIER: Wäre es denkbar, dass Sie beide ein Drehbuch schreiben und dann Veronika Franz die Regie übernimmt?

Seidl: Ich glaube, das funktioniert nicht. (schmunzelt)

Franz: Dazu ist unsere Zusammenarbeit zu hierarchisch. (lacht) Ich schreibe für ihn, und er entscheidet, was er davon haben will und was nicht. Die Zusammenarbeit mit meinem Co-Regisseur hingegen ist gleichberechtigt.

KURIER: Nun treten Sie gemeinsam bei den Filmfestspielen an...

Franz: Darauf sind wir schon sehr stolz. Wir gehen binnen 24 Stunden zwei Mal über den roten Teppich – bei den Orizzonti gibt es auch einen roten Teppich. Das ist etwas Besonderes.

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