Kultur
11.04.2017

4GameChanger: Halb Mensch, halb Maschine

Beim Startup-Festival 4GameChanger in Wien ist mit Neil Harbisson der erste von einer Regierung als Cyborg anerkannte Mensch zu Gast.

Das Verschmelzen von Mensch und Maschine ist eines der großen Zukunftsthemen. Das 4GAMECHANGER-Festival von ProSiebenSat.1Puls 4 in der Marx Halle in Wien widmet sich vom 22. bis 25. April unter anderem den vielfältigen Einflüssen, die die Digitalisierung auf unser Leben hat und haben wird.

Verschmelzung von Mensch und Maschine

Einer der Hauptredner zeigt, dass das Diskussionsmotto "Part Man - Part Machine" keine Science Fiction ist. Neil Harbisson hat ein kybernetisches Implantat im Kopf, das es ihm ermöglicht, Farben zu hören, obwohl er eigentlich farbenblind ist. Der sogenannte "Eyeborg" wandelt Farben in Töne um und sendet sie an den Chip, dessen Schwingungen an die Knochen übertragen und so für Harbisson wahrnehmbar werden.

Der in New York lebende Brite gilt nicht nur als erste Mensch auf der Welt, der eine implantierte Antenne im Schädel trägt, er ist außerdem der erste offiziell von einer Regierung anerkannte Cyborg. Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine kannte man davor nur aus Filmen wie "Robocop", " Star Wars" oder "Terminator", obwohl letzterer eigentlich ein Android ist - ein menschenähnlicher Roboter.

Harbisson gründete 2010 die Cyborg-Foundation und ist seitdem als "Cyborg-Künstler" unterwegs. In einem Interview mit der Futurezone von 2013 sagte er: "Ein Cyborg zu sein, ist das Gefühl, dass Technik ein Teil meines Organismus ist. Es ist kein externes Element, sondern ein Teil von mir. Ich habe mich zum ersten Mal als Cyborg gefühlt, als ich begonnen habe, in Farben zu träumen. Das war auch das erste Mal, dass ich diese Verbindung meines Organismus mit der Technik spürte".

Farbenblind, und doch Lieblingsfarben haben

Am Anfang habe sein Körper die Technik abgestoßen, Harbisson litt unter Kopfschmerzen. "Nach fünf Monaten habe ich den Eyeborg als Teil meines Körpers betrachtet. Ich habe begonnen Farben zu fühlen, sie zu träumen und ich hatte plötzlich Lieblingsfarben", sagt Harbisson.

Obwohl die "Eyeborg"-Antenne auch auf seinem offiziellen Passfoto zu sehen ist, hatte Harbisson lange Zeit Probleme im Alltag. So wurde ihm sogar der Zutritt zu Geschäften oder Kinos verwehrt, weil man seine Kopfantenne für Spionage-Equipment hielt.

Zu den bereits erprobten Datenbrillen wie " Google Glass" sieht Harbisson einen wesentlichen Unterschied. "Cyborgs tragen die Technologie nicht nur mit sich, sie sind Technologie. Ich trage mein elektronisches Auge nicht mit mir herum, ich habe ein elektronisches Auge. Das ist ein großer Unterschied."

Dennoch glaubt Harbisson nicht, dass irgendwann alle Menschen Cyborgs sein werden: "Wir werden nicht als Cyborgs geboren. Aber ich denke, dass es in den 2040er Jahren völlig normal sein wird, Leute zu treffen, die elektronische Teile in ihren Körper integriert haben."

Zukunftsfestival

Beim 4GAMECHANGER-Festival wird Harbisson mit prominenten Experten über das Thema diskutieren. Nicki Donnely und Larry Jasinski entwickeln mit "Re-Walk" intelligente Exoskelette, mit denen Querschnittsgelähmte gehen können. Weiters sind Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, der Humanist und Futurist Gerd Leonhard, sowie die Biochemikerin Renée Schröder angekündigt.

Das Festival in der Wiener Marx-Halle bringt von 22. bis 25. April Start-up-Macher, Vor- und Querdenker, Unternehmer, Künstler und Medien-Profis zusammen. Nach den Webstars (22.4.) und den Start-Ups (24.4.) steht der 25.4. im Zeichen der Zukunftsdiskussion.

Tickets und Infos zum Festival gibt es unter 4gamechanger.com. Weitere Speaker sind u.a. Oscarpreisträger Forest Withaker, Philip Missler (Director Amazon Media Group Deutschland), Andreas Weinberger (General Manager UBER) und Markus Hengstschläger (Gentechniker).