Kultur
14.01.2019

400.000 Besucher: Bruegel sorgt für Rekord im KHM

Die Schau zum niederländischen Maler hatte besonders bei Kunstfreunden aus Russland für einen Hype ausgelöst.

„Wir werden insgesamt etwa 400.000 Besucher haben. Das ist die höchste Zahl, die wir je bei einer Ausstellung hatten“, erklärte KHM-Direktorin Sabine Haag vor Journalisten am Sonntag.

Montag um 1 Uhr früh ging die große Bruegel-Retrospektive im Kunsthistorischen Museum Wien (KHM) dann offiziell zu Ende. Die Schau war mit dem Slogan „Once in a lifetime“ ("Nur einmal im Leben") beworben worden: Auch wenn das KHM mit zwölf Tafelbildern die weltweit größte Sammlung von Gemälden aus der Hand von Pieter Bruegel d.Ä. besitzt und diese auch sonst ohne übermäßigen Besucherandrang zu sehen sind, war die Zahl hochkarätiger Leihgaben außergewöhnlich: 30 Gemälde - ein Viertel des gesamten bekannten malerischen Oeuvres - war in Wien zu sehen, dazu eine Vielzahl von eigenhändigen Zeichnungen und Druckgrafiken.

Schau wird insbesondere auch in Russland in Erinnerung bleiben: In den vergangenen Jahrzehnten hat es keine Ausstellung außerhalb Russlands gegeben, die in einem ähnlichen Ausmaß das russische Kunstpublikum begeistert und erfolgreich angezogen hat.
Tausende Russen dürften wegen Bruegel eigens nach Wien gereist sein.  Haag selbst sah dies im Zusammenhang mit einer traditionellen Museumsaffinität der russischen Bevölkerung, sowie mit professionellen Tourismus- und Marketingaktivitäten. Sie sprach aber auch von der Kooperation des KHM mit der Eremitage in St. Petersburg, die im Juni Russlands Präsidenten Wladimir Putin in ihr Museum geführt hatte.

Letzteres dürfte freilich kaum eine Rolle für den sensationellen Erfolg dieser Schau in Russland gespielt haben. „Wenn es in Russland schlecht läuft und alles immer repressiver wird, dann suchen Intellektuelle einen Ausweg. In der aktuellen Situation ist Bruegel und Wien ein solcher Ausweg“, erklärte die bekannte russische Politikjournalistin Jewgenija Albaz im Museum am Sonntagabend gegenüber der APA. Nach sehr positiven Besprechungen in Russlands Medien waren anfängliche Impulse ausgerechnet aber auch von einem führenden Oppositionspolitiker gekommen. Obwohl er keinesfalls als kunstaffin gilt, war Aleksej Nawalny Ende Oktober mit seiner Familie nach Wien gereist und hatte die Ausstellung in Folge als absoluten Pflichttermin beworben: „Die Bruegel-Schau ist wirklich fantastisch. So eine Schau wird es 50 Jahre lang sicher nicht mehr geben. Ich war begeistert. Wenn es die Möglichkeit gibt, dann entscheiden sie sich und fahren. Tickets nach Wien sind nicht teuer. Und sie sind es wert“, schrieb Nawalny an mehr als 400.000 Abonnenten auf Facebook.

Aber gerade auch zahlreiche wichtige Multiplikatoren des russischen Kulturbetriebs posteten begeistert in sozialen Netzwerken. Sie sorgten damit für einen „Hype“, den es in dieser Intensität in Russland bisher nur äußerst selten und ausschließlich für inländische Ausstellungen gegeben hatte.  

Für den russischen Andrang im KHM sah der renommierte Kunsthistoriker vielfältige Gründe: Bruegel sei einer der wichtigsten Künstler der spätsowjetischen Intelligenzija gewesen und dies wirke weiterhin nach, sagte Ilja Dorontschenkow, Professor für Kunstgeschichte an der Europäischen Universität in St. Petersburg gegenüber der APA. Mitverantwortlich für diese Popularität sei Kinoregisseur Andrej Tarkowski, der in seinem Spielfilm „Solaris“ (1972) ausführlich „Die Jäger im Schnee“ zeigte.