Raus aus der Abhängigkeit: Der richtige Zeitpunkt für den Ausstieg aus Öl und Gas

Angesichts der fortschreitenden Klimakrise, steigender Emissionen und Versorgungsengpässen, die aus geopolitischen Abhängigkeiten entstehen, ist das Raus aus Öl und Gas ein Gebot der Stunde, um Haushalte, Industrie und Klima zu entlasten.
Electricity from solar panels, dams, and wind turbines. Environmentally-friendly renewable energy concept.

Die europäischen Staaten erleben gerade ein kostspieliges Déjà-vu. Der Krieg im Iran löst ein Szenario aus, das die leidgeprüften Konsumenten schon vom russischen Angriff auf die Ukraine Anfang 2022 kennen. Europa musste schlagartig auf russische Gaslieferungen verzichten, was die Preise explodieren und die Angst vor Energieknappheit aufkommen ließ. Im Zuge des Iran-Kriegs steigen die Weltmarktpreise nun erneut steil an, denn der Import von Öl und Gas ist durch die Kriegshandlungen  wieder weltweit beeinträchtigt.  Die Ölexporte durch die Straße von Hormus sind fast zum Erliegen gekommen, denn über die enge Wasserstraße läuft rund ein Fünftel des weltweiten Handels mit Öl und Flüssigerdgas. 

Die so in die Höhe getrieben Preise  machen wieder jeden Ausflug zur Zapfsäule und jede Heizkostenabrechnung zur finanziellen Zerreißprobe für viele Konsumenten. Der Weg aus dieser Spirale führt jedoch nur über ein Umdenken. Die Devise muss lauten: Weg von Öl und Gas, hin zu erneuerbaren Energien und intelligenten technischen Lösungen für die Haushalte und die Industrie.

„Preiskrisen sind kein Ausnahmefall, sondern ein strukturelles, dauerhaftes  Risiko eines fossilen Energiesystems. Solange Kohle, Öl und Erdgas unsere Energieversorgung dominieren, bleibt unser Land anfällig für geopolitische Schocks. Österreichs Energieversorgung und die heimische Bevölkerung dürfen nicht länger von Krisenregionen abhängig sein“, heißt es in einem offenen Brief des Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) an die Bundesregierung.

E-Mobilität

Besonders betroffen von den hohen Preisen sind die Autofahrer.  Rund zwei Drittel (67 Prozent im Jahr 2025) des benötigten Dieselkraftstoffs, werden von Österreich importiert. Bei Benzin  waren es 40 Prozent. Die Preise orientieren sich am Weltmarkt und hängen so maßgeblich von der internationalen Preisralleys am Rohölmarkt ab.
 

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Erneuerbare Energien sind das Fundament für einen zukunftsfähigen Industriestandort.“ 

von Martina Prechtl-Grundnig, EEÖ

Dringender Wandel

 Eine zentrale Rolle beim Ausstieg aus Öl und Gas spielt die Nutzung erneuerbarer Energien. „Wer heute fossile Strukturen zementiert, macht Energie dauerhaft teuer und hält Österreich in der Abhängigkeit von Auslaufmodellen fest“, so Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin EEÖ. Der Umstieg betrifft dabei nicht nur die privaten Haushalte, sondern ist auch essenziell für die Industrie, wie sie betont: „Erneuerbare Energien aus Wind, Sonne, Wasser und Biogenen sind weit mehr als ein Klimaschutzinstrument: Sie sind das Fundament für einen zukunftsfähigen Industriestandort, sichern langfristig leistbare Energiepreise und schaffen Wertschöpfung, Aufträge und Arbeitsplätze entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette – vom Anlagenbau über Zulieferbetriebe bis hin zu Bau- und Dienstleistungsunternehmen. Auf den Aus- und Umbau der Energieversorgung ist zu fokussieren.“


Energie darf laut EEÖ nicht zu einem dauerhaften Unsicherheitsfaktor für Haushalte und Unternehmen werden. Wirtschaft und Industrie sind auf stabile und planbare Energiepreise angewiesen. Doch die Gaspreise sind seit Beginn des Iran-Krieges durch die Decke gegangen: Im Februar lag der Preis für eine Megawattstunde (MWh) noch bei 36 Euro kletterte  zwischenzeitlich jedoch auf 60 Euro, das ist ein Anstieg von 67 Prozent. Auch die Strompreise sind um rund 20 Prozent gestiegen, was gerade für die energieintensive Industrie Österreichs eine massive Mehrbelastung darstellt.

Umstieg fördern

Der Abschied von Öl und Gas ist dabei aber mehr als eine technische Frage. Er ist auch eine gesellschaftliche und politische Aufgabe, die es jetzt zu meistern gilt. Förderprogramme, klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine langfristige Planungssicherheit sind entscheidend, damit Investitionen auch für private Haushalte attraktiv werden. Die Sanierungsoffensive 2026 setzt hier an und unterstützt zwei zentrale Instrumente: Kesseltausch für klima-freundliche Heizsysteme und den Bonus für thermisch-energetische Sanierungen. Dafür sind von insgesamt 1,8 Milliarden Euro vorgesehen (jährlich 360 Millionen Euro von 2026 bis 2030). Durch das große Interesse werden die vorhandenen Mittel nun möglichst effizient auf -Einsparungen ausgerichtet. Mit dem restlichen Jahresbudget wird ein klarer Schwerpunkt auf den Kesseltausch liegen. Neue Registrierungen und Förderanträge sind daher seit Februar 2026 nur mehr für den Kesseltausch möglich.

Die Förderung könnte auch ein wichtiger Impuls für den Wärmepumpenmarkt sein, denn die Verkäufe waren im Vorjahr rückläufig. Dabei kommt der Wärmepumpe eine besondere Rolle zu. Diese könnten als zentrales Bindeglied zwischen Gebäudetechnik, Stromsystem und dem Klimaziel fungieren. Österreich strebt bis 2040 1,3 Millionen Wärmepumpen an.  Ein ehrgeiziges Ziel, das es nun auch mit Hilfe neuer Förderungen zu erreichen gilt. 

Akzeptanz hoch

Wie steht es nun mit der Akzeptanz der Österreicher für den Umstieg auf erneuerbare Energie? In einer repräsentativen Studie hat Wien Energie gemeinsam mit der Universität Graz und Deloitte Österreich  die Einstellung der Österreicher zu erneuerbaren Energien erhoben. Demnach stimmen als zwei Drittel der Befragten einem erneuerbaren Energieprojekt in der Nähe ihrer Gemeinde zu. Einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien zur Abkehr von fossilen Energieträgern stimmen die Befragten mit 58 Prozent   deutlich zu.

Die Befragten  der Studie haben auch den Wunsch, die Energiewende aktiv mitzugestalten. Mehr als ein Drittel der Befragten zeigt hohes Interesse daran, sich finanziell an Bürgerprojekten für erneuerbare Energien zu beteiligen.

Air heat pump installed on the exterior facade of the residential house. Sustainable heating solutions for building. Air source heat pump beside residential house.

Die Österreicher stimmen einem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energie zu.

Auch wenn sich E-Mobilität in Österreich nur schleppend entwickelt, ist die  Mobilität  in Österreich laut der Studie von Wien Energie   wieder mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.   Der Kauf von Elektroautos nimmt langsam wieder zu. Laut Bundesverband Elektromobilität Österreich  (BEÖ) gibt es mit Ende Februar 2026 in Österreich 265.914 rein elektrisch betriebene Pkw. Das sind jedoch nur rund fünf Prozent des gesamten österreichischen Pkw-Bestands.  Hier ist also noch viel Luft nach oben.
Das E-Auto ist  für viele kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits Teil des Alltags. Die Haupttreiber für den Kauf von E-Autos sind laut Studie geringe Betriebskosten sowie der Schutz des Klimas.   Ladekarten mit festen Ladeverträgen punkten zum einen mit stabilen Preisen und verringern zudem die Abhängigkeit von Ölimporten. 

Bei den Österreichern steht vor allem Photovoltaik mit einem Zuspruch von 79 Prozent hoch im Kurs – insbesondere innovative PV-Anlagen auf Dächern oder Fassaden erhalten mit 67 Prozent einen hohen Zuspruch. Als positiver Treiber der Energiewende wird auch Freiflächen-PV  gesehen, hier konnte sich die Zustimmung sogar um zwei Prozentpunkte auf 45 Prozent verbessern. Laut den Zahlen von E–Control wurde im Jahr 2026  in Summe bereits 0,4 TWh an Strom aus Photovoltaik erzeugt. Damit können 127.181 Haushalte versorgt werden. Bei der absoluten installierten Leistung und der Erzeugung aus Photovoltaik führen Niederösterreich, Oberösterreich und die Steiermark den Wandel an.

Die Kombination von  E-Mobilität  mit erneuerbaren Energien aus dem österreichischen Stromnetz und von privaten PV-Anlagen sorgen zudem für eine zunehmende  Energieautonomie des Landes. „Jede Kilowattstunde aus Wind, Wasser oder Sonne reduziert unsere Abhängigkeit von importiertem Öl und macht unser Energiesystem resilienter“, erklärt BEÖ Vorsitzender Andreas Reinhardt. Was wenige wissen: Öffentliche Ladestellen werden ausschließlich mit erneuerbarem Strom betrieben. Parallel dazu hat sich das Fahrzeugangebot stark erweitert. Immer mehr kompakte und preisgünstigere Elektroautos kommen auf den Markt, wodurch der Umstieg erschwinglicher und damit interessanter wird. „Der weitere Ausbau der  E-Mobilität und der Ladeinfrastruktur ist ein wichtiger Schritt für den Klimaschutz und sorgt für eine stabile, planbare Energieversorgung“, so Reinhardt.

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Biodiesel  ist ein technisch ausgereifter Kraftstoff, der modernen Normen entspricht.“

von Ewald-Marco Münzer, Münzer Bioindustrie

Innovation Biodiesel

Für die Besitzer eines Verbrenners, bedeuten die steigenden Treibstoffpreise, dass sie wieder tief in die Tasche greifen müssen, zusätzlich treiben die hohen Preise die Inflationsrate in die Höhe. Doch auch hier gibt es Alternativen. „Geopolitische Verwerfungen setzen die europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher aber noch vielmehr die heimischen Unternehmen massiv unter Druck. Das ist aus meiner Sicht einmal mehr der richtige Zeitpunkt, erneuerbare und damit europäische und regional produzierte Energie steuerlich zu entlasten. Damit könnten wir beispielsweise Mobilität leistbarer machen und gleichzeitig den Klimaschutz im Verkehr voranbringen“, so Ewald-Marco Münzer, CEO der Münzer Bioindustrie GmbH. Das Unternehmen ist Österreichs führender Produzent von Biodiesel aus Altspeiseöl und ein europaweit aktiver Vorreiter in der Kreislaufwirtschaft.

Refuelling the car at gas station

Biodiesel wird immer wichtiger und ist längst kein Nischenprodukt mehr

„In der Debatte um klimafreundliche Mobilität braucht es Lösungen, die sofort wirken, planbar verfügbar sind und sich in bestehende Logistik- und Versorgungssysteme integrieren lassen“, so Münzer „Biodiesel ist eine dieser Lösungen. Und er ist längst kein Nischenprodukt mehr, sondern ein technisch ausgereifter Kraftstoff, der modernen Normen entspricht und in Flotten, Kommunen, Landwirtschaft und Logistik seit Jahren praxiserprobt eingesetzt wird.“ Moderne Biodieselqualitäten sind technisch zuverlässig und im Bestand sofort einsetzbar, wie er betont. „Das macht sie zu einem zentralen Baustein für schnelle Emissionsminderung.“

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