Rätsel um Stress-Enzym: Wiener Forscherin macht Entdeckung

Vier österreichische Forscherinnen mit L’Oréal-Unesco-Förderpreis "For Women in Science" ausgezeichnet.
Overworking

Zu viele Erledigungen, zu viel Druck und zu wenig Zeit – das führt zu Stress. Dauerhaft macht uns dieser krank. Das ist nichts Neues. Auch die Tatsache, dass ein ständig erhöhter Cortisolspiegel dabei eine entscheidende Rolle spielt, ist bekannt. Aber auch das Enzym Alpha-Amylase, das hauptsächlich in den Speicheldrüsen und der Bauchspeicheldrüse produziert wird, trägt zu Stressreaktionen bei. Welche genau, das erforscht die klinische Psychologin Dr. Nida Ali von der Fakultät für Psychologie an der Universität Wien.

Stressempfindlich

Steht man unter akutem Stress, aktivieren sich im Körper zwei Stresssysteme: die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) und der Sympathikus. Letzterer steuert die Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Noradrenalin wird ausgeschüttet – das führt zu einem Anstieg der Alpha-Amylase im Speichel. Bei Stress kommt es also zu einem Anstieg von Cortisol und Alpha-Amylase.

Cortisol und Alpha-Amylase unterstützen aber auch das Aufwachen und den Übergang der Schlaf- zur Wachphase. Spannend ist, dass hier die Reaktion anders verläuft. Nida Ali sagt: „Der Cortisolspiegel steigt, wenn wir aufwachen, damit wir in die Gänge kommen. Die Alpha-Amylase nimmt allerdings ab und wir verstehen nicht warum. Wir versuchen herauszufinden, warum dieser Rückgang eine sinnvolle Reaktion des Körpers sein könnte.“

Junge Frau mit langen dunklen Haaren lächelt freundlich und schaut direkt nach vorne vor hellem Hintergrund.

Nida Ali von der Fakultät für Psychologie an der Universität

Vorhersage möglich?

Zudem erforscht Ali auch, welche Faktoren die Alpha-Amylase während des Tages beeinflussen – etwa die Schlafqualität, der Menstruationszyklus oder die körperliche Ertüchtigung. Die Kernidee ist, dass zwar jeder Mensch diese Reaktion zeigt, aber ihre Ausprägung kann vorhersagen, wie stressig der jeweilige Tag sein wird.

Unterstützung

Möglich wird Alis Forschung auch durch den „For Women in Science“-Förderpreis, den Nida Ali als eine von vier österreichischen Forscherinnen im Jahr 2025 erhalten hat. Ins Leben gerufen wurde er von L’Oréal und der UNESCO mit einem klaren Ziel: Frauen in Naturwissenschaften zu fördern. Denn Wissenschaft lebt von Diversität und benötigt die besten Köpfe aus den unterschiedlichsten Denkschulen und mit unterschiedlichen Hintergründen, um auch die besten Resultate hervorbringen zu können. Die Wissenschaft gilt jedoch nach wie vor als Männerdomäne, gerade in den Naturwissenschaften sind Frauen nach wie vor stark unterrepräsentiert.

Mit der Initiative „For Women in Science“ soll ein Beitrag geleistet werden, dies zu ändern. Daher werden weltweit Wissenschafterinnen mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet – bisher waren es über 3.600 Frauen aus allen Erdteilen. Sieben von ihnen erhielten für ihre Arbeiten sogar den Nobelpreis: Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna (Nobelpreis für Chemie 2020), Christiane Nüsslein-Volhard (Nobelpreis für Medizin 1995), Ada Yonath (Nobelpreis für Chemie 2009), Elizabeth H. Blackburn (Nobelpreis für Medizin 2009), Katalin Kariko (Nobelpreis für Medizin, 2023) und Anne L’Huillier (Nobelpreis für Physik, 2023).

Sichtbar gemacht

In Österreich ist „For Women in Science“ seit 2007 etabliert und wird von L’Oréal Österreich und der österreichischen UNESCO-Kommission in Kooperation mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums vergeben.

Neben Nida Ali erhielten Theresa Haitzmann von der Medizinische Universität Graz, Darja Rohden von der Universität Wien sowie Angeliki Spathopoulou von der Universität Innsbruck das Nachwuchsstipendium. „Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich diesen Preis bekommen habe“, sagte Nida Ali. „Dadurch habe ich das Gefühl, dass meine Forschungen wertvoll und wichtig sind. Zudem ist es eine Ehre, Teil von großartigen, talentierten Frauen zu sein, die diesen Preis erhalten haben.“

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