Exportquote 90 Prozent: Österreichs diskreter Rüstungsboom

Österreich etabliert sich als internationaler Player und gefragter Exporteur von Verteidigungsgütern und innovativer Technik.
Eine Person schweißt an einem großen Metallrahmen in einer Industriehalle mit moderner Maschinenanlage.

Die Rüstungs- und Sicherheitsindustrie rückt als erfolgreicher Wirtschaftszweig immer mehr in den Mittelpunkt. Denn viele Staaten erhöhten ihre Verteidigungsbudgets und es gibt lukrative Aufträge für die Industrie abzuholen. In Österreich sind 150 Unternehmen mit rund 11.000 Beschäftigten im Bereich Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft aktiv. 

„Diese Unternehmen sind gefragte Kooperationspartner und wichtige Zulieferer von großen internationalen Systemherstellern. Da der heimische Markt für Verteidigungsgüter ein relativ kleiner ist, ist die Bedeutung von Export umso wichtiger – die Exportquote beträgt 90 Prozent“, erklärt Reinhard Marak, Leiter der Stabsstelle Krisenmanagement und Sicherheitsvorsorge der WKÖ und Geschäftsführer der ARGE Sicherheit und Wirtschaft.

Trotz des gestiegenen Interesses vieler Staaten operieren die heimischen Unternehmen innerhalb der österreichischen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen und die sind oftmals strikter als in anderen EU-Mitgliedstaaten. 

„Die Bundesregierung hat zuletzt im Rahmen der Industriestrategie und mit der vorgeschlagenen Novellierung des Außenwirtschaftsgesetzes einige positive Impulse gesetzt, die dabei helfen könnten, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Hier kommt es jetzt aber auf die konkrete Umsetzung an“, erklärt Marak.

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„Die heimischen Unternehmen sind wichtige Zulieferer von großen internationalen Systemherstellern.“

von Reinhard Marak, ARGE Sicherheit & Wirtschaft

Heimische Unternehmen

Hirtenberger Defence Systems (HDS) mit Sitz in Niederösterreich ein weltweit tätiger Entwickler, Hersteller von militärischen Produkten. Hirtenberger ist führend in der Herstellung von NATO-kompatiblen Mörsersystemen (60 mm, 81 mm, 120 mm), Mörsergranaten, Zündsystemen und Brandsätzen. Auch optische Instrumente und Feuerleitsysteme zur Führung und Kontrolle gehören zum Portfolio. Das elektronische Richtmittel ELAD etwa wurde ans Schweizer Militär geliefert.

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Hirtenberger Defence Systems  produziert Mörsersysteme.

Die Maschinenfabrik Liezen und Gießerei (MFL) hat sich als spezialisierter Fertigungspartner im Defense-Sektor etabliert. Das steirische Unternehmen ist auf hochpräzise Schweißkonstruktionen und Gussteile für gepanzerte Fahrzeuge wie Turmgehäuse, Panzerwannen und sicherheitskritische Bauteile fokussiert. MFL sicherte sich im Vorjahr einen Auftrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich vom deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS für die Produktion von Turmgehäusen für den Leopard 2 Kampfpanzer. 

„Mit unserer jahrzehntelangen Expertise in der Fertigung hochqualitativer und präziser Schweißkomponenten und Gussteile leisten wir einen aktiven Beitrag, um diejenigen zu schützen, die uns schützen“, erklärt dazu MFL-Geschäftsführer Herbert Decker, und weiter: „Die Verteidigungsindustrie ist ein Markt, in dem wir unsere Kompetenz und Leistungsfähigkeit erfolgreich einbringen können. Gleichzeitig stärkt dieser Auftrag den Wirtschaftsstandort Österreich.“

Eine weiße unbemannte Hubschrauberdrohne mit Kamerasensoren steht auf Asphalt vor bewölktem Himmel.

Drohnenhersteller Schiebel produziert den Camcopter S-100.

Erfolg mit Drohnen

Schiebel gilt als einer der weltweit führenden Drohnenhersteller mit einem Umsatz von rund 65 Millionen Euro. Das Erfolgsprodukt des Unternehmens ist der Camcopter S-100, dieser kommt sowohl bei Polizei- als auch bei Grenzüberwachungsbehörden und bei Militärs zum Einsatz. Im Februar 2026 konnte ein lukrativer Vertrag mit der griechischen Marine unterzeichnet werden.

 „Wir sind äußerst stolz darauf, dass der CAMCOPTER S-100 das unbemannte Luftfahrtsystem (UAS) der Wahl für die griechische Marine ist. Mit seiner bewährten maritimen Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Nutzlastkapazität wird der S-100 den Kommandanten eine erweiterte Lageübersicht bieten und damit die operativen Fähigkeiten der Überwassereinheiten der griechischen Marine weiter stärken“, so Hans Georg Schiebel, Vorstandsvorsitzender der Schiebel Group.

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Pankl Aerospace ist auch im Defence-Bereich erfolgreich.

Helikopter-Komponenten

Pankl produziert mechanische Systeme im Hochtechnologiebereich im Bereich Rennsport-, Luxusautomobil- und Luftfahrtindustrie. Das Unternehmen aus dem steirischen Kapfenberg ist jedoch auch im Defence-Bereich tätig. Pankl Aerospace fertigt Komponenten für Helikopter, Drohnen, Telecopter und Militärfahrzeuge. 

„Unser Footprint im Sektor ist solide, nun geht es darum, ihn gezielt zu erweitern und zu vertiefen“, so Geschäftsführer Wolfgang Plasser. Erzeugt werden unter anderem Komponenten für die Black Hawk-Helikopter. „Auch Leonardo Helicopters und Airbus verbauen unsere Teile. Unsere Komponenten kommen zum Beispiel auch in schweren Militärfahrzeugen zum Einsatz, auch unsere Großmotorkomponenten sind im Defence-Bereich etabliert“, so Plasser.

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Rheinmetall MAN Military Vehicles bietet LKW-Systeme an.

Militärische Fahrzeuge

Rheinmetall MAN Military Vehicles Österreich ist ein bedeutender Komplettanbieter für die Herstellung von geschützten und ungeschützten logistischen Fahrzeugen. Das Hauptkompetenzzentrum für Fahrzeuge wie die HX-Fahrzeugfamilie ist das Produktionswerk in Wien. Hier werden hochmobile LKW entwickelt, produziert und an Militärkunden in der ganzen Welt geliefert. 

Ende 2025 hat die dänische Beschaffungsbehörde FMI einen Rahmenvertrag über die Lieferung von bis zu 1.000 HX- und TG-LKW mit Rheinmetall abgeschlossen. Mit Vertragserteilung erfolgte auch ein erster Abruf von über 100 LKW. Dieser hat einen Wert im zweistelligen Millionen Euro Bereich.

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