Frauen in der Technik: In diesem Bereich sind sie nun vorne
„Mir stehen jeden Tag alle Türen offen, dass ich meine eigenen Ideen und Verbesserungen einbringen und umsetzen kann“, sagt Sylvia Schiller begeistert über ihren Job beim Technologie- und Industrieunternehmen FACC, wo sie als Qualitätssicherungstechnikerin für mehr Sicherheit im Flugzeug sorgt. Sie hat sich bewusst für einen MINT-Beruf (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) entschieden. Ihre Motivation ist, dass sie Produkte und Prozesse verbessern kann. Menschen wie Sylvia braucht es aktuell viele.
Mangelberufe
Der Großteil der 110 Jobs, die auf der Mangelberufsliste 2025 stehen, ist dem MINT-Spektrum zugeordnet. Allein in der Industrie fehlen laut Industriellenvereinigung derzeit etwa 40.000 Fachkräfte im MINT-Bereich. Zusätzlich wächst der Bedarf durch Digitalisierung, Klimaschutz und technische Transformation. „Ohne topausgebildete Technikerinnen und Techniker hat dieses Land keine Zukunft. Sie prägen den Wirtschaftsstandort Österreich“, sagt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Oberösterreich. Er sieht das Problem vor allem in hoch entwickelten Volkswirtschaften.
„Hier sieht man weltweit, dass junge Menschen MINT-Berufe nicht so im Fokus haben. In Indien oder China bedeutet ein MINT-Beruf: raus aus der Armut. Bei uns gibt es den Wohlstand bereits, da ist der Ansporn nicht mehr so gegeben“, sagt Haindl-Grutsch. Selbstverwirklichung steht bei den jungen Menschen in Europa eher im Vordergrund und die Qual der Berufswahl. „Wir haben herausragende Ausbildungen im MINT-Bereich, tolle Initiativen und trotzdem kämpfen wir – vor allem bei Mädchen – um jede Fachkraft“, sagt Haindl-Grutsch.
Kinder lassen sich laut Martina Fürpass, Geschäftsführerin vom Verein sprungbrett für Mädchen* und junge Frauen*, am besten für Naturwissenschaft und Technik begeistern, wenn ihre natürliche Neugier aufgegriffen wird und sie Räume bekommen, in denen sie selbst ausprobieren dürfen. Der Alltag bietet dafür genug: kochen, Pflanzen pflegen, Fahrrad oder kleine Geräte reparieren, alte Technik zerlegen. Fürpass: „Eltern sind starke Vorbilder – deshalb sollten sie selbst keine stereotypen Rollen vorleben, und Kindern unabhängig vom Geschlecht das Experimentieren ermöglichen sowie gendersensibles Spielmaterial oder Bücher anbieten. In der Berufsorientierung zählt vor allem Offenheit: Wünsche ernst nehmen, eigene Erwartungen reflektieren und den Prozess sensibel begleiten. Angebote für Mädchen wie youngFIT oder FIT Fem* in Tech unterstützen dabei.“
Frauen gesucht
Laut dem „Education and Training Monitor 2025“ der EU liegt der Frauenanteil in MINT-Studiengängen und am Arbeitsmarkt in Österreich bei etwa einem Drittel (rund 32,5 %) – also etwa eine von drei Personen im MINT-Feld ist eine Frau. Wobei der Anteil von Frauen stark zwischen den Bereichen schwankt:
- Ingenieurwissenschaften & Technik: unter 30 % Frauen
- ICT (Informatik, Kommunikationstechnologien): nur rund 20 % Frauen
- Naturwissenschaften & Mathematik: etwa 50 % Frauen
Karriereaussichten
Bedarf an qualifizierten MINT-Fachkräften gibt genug. „Man verdient mit einem MINT-Beruf auch überdurchschnittlich gut. Aufstiegsmöglichkeiten sind da, die Karriereaussichten sind herausragend. Zudem trägt man dazu bei, die Welt ein wenig besser zu machen“, sagt Haindl-Grutsch. Denn vor allem in den Bereichen Energie, Umwelt, Klima, Automatisierung oder Ressourceneffizienz braucht es Lösungen. Joachim Haindl-Grutsch: „Darum kann ich nur sagen: Traut euch das zu. Vor allem die Mädchen. Ihr seid genau so gut wie Burschen und gebt nicht gleich auf. Manchmal muss man nur das erste Ausbildungsjahr durchtauchen und dann kommt die Freude.“
Kommentare