Österreich als Vorreiter: Warum Europa auf unsere Bahn blickt
Die ökologische Bedeutung des Personen- und Güterverkehrs auf der Schiene hat hierzulande in den vergangenen Jahren stark an Aufmerksamkeit gewonnen. Angesichts der Klimakrise, steigender Verkehrsbelastung und wachsender Umweltprobleme rückt die Bahn zunehmend in den Mittelpunkt einer nachhaltigen Verkehrspolitik.
Österreich nimmt dabei im europäischen Vergleich eine Vorreiterrolle ein. So wurden laut Jahresbericht der Schienen-Control GmbH 2024 insgesamt rund 138,5 Millionen Personenzugkilometern zurückgelegt. Die Fahrgastzahlen stiegen im Vergleich zum Jahr davor um sechs Prozent auf 348,7 Millionen. Die insgesamt zurückgelegten Personenkilometer beliefen sich 2024 auf 15 Milliarden. Mit Ende 2024 waren laut dem Bericht in Österreich 92 Eisenbahnunternehmen tätig.
Alternative zur Straße
Der Verkehrssektor zählt zu den größten Verursachern von Treibhausgasen. Während der Straßenverkehr, insbesondere durch Pkw und Lkw, erhebliche Mengen an CO2 ausstößt, gilt die Bahn als deutlich umweltfreundlicher. Ein wesentlicher Grund dafür ist der hohe Elektrifizierungsgrad des österreichischen Schienennetzes. „Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Über 90 Prozent der Verkehrsleistung wird heute schon auf elektrifizierten Strecken erbracht.
Wir investieren über sechs Milliarden Euro in neue, effizientere Fahrzeuge. Für die verbleibenden nicht elektrifizierten werden vermehrt Akkuzüge bestellt“, so Bernhard Rieder, ÖBB-Holding AG. Dadurch verursacht eine Bahnfahrt pro Personenkilometer nur einen Bruchteil der Emissionen im Vergleich zu Autofahrten oder Flugreisen. Im Güterverkehr zeigt sich ein ähnliches Bild: Ein Güterzug kann die Ladung von Dutzenden Lkw ersetzen und reduziert damit nicht nur CO2-Emissionen, sondern auch Luftschadstoffe und Lärmbelastung entlang stark befahrener Straßen.
Der Schienengüterverkehr ist für die österreichische Industrie unersetzlich.
Schienengüterverkehr
„Eine Tonne auf der Schiene spart 30-mal mehr CO2 als auf der Straße. Damit entlastet der Schienengüterverkehr die Umwelt jedes Jahr um mehrere Millionen Tonnen CO2 und leistet einen unverzichtbaren Beitrag für den Klimaschutz“, so Rieder.
Österreich ist ein zentrales Transitland in Europa, insbesondere für den Nord-Süd-Güterverkehr sowie zwischen Ost und West. Besonders der alpenquerende Verkehr, etwa über den Brenner oder die Tauernachse, ist stark frequentiert. Die Verlagerung von Transporten auf die Schiene ist daher ein entscheidender Hebel, um die ökologischen Auswirkungen des Transitverkehrs zu begrenzen. Die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) spielt hierbei eine Schlüsselrolle, indem sie internationale Güterströme zunehmend auf die Schiene verlagert. RCG hat eine Präsenz in 18 Ländern – 14 davon in Eigentraktion. 2024 wurden in Österreich 113,3 Millionen Tonnen Güter auf der Schiene transportiert, bei einer Verkehrsleistung von 22,7 Milliarden Nettotonnenkilometern (NT-km). Im Vergleich zu 2023 bedeutet das eine Steigerung um rund zwei Prozent. Der Anteil des Schienengüterverkehrs am Gesamtgüterverkehr lag im Jahr 2024 bei 27,5 Prozent, Ziel ist eine Steigerung auf 40 Prozent bis 2030. Zu den transportierten Gütern gehören Fahrzeuge, Agrarprodukte, Abfälle, Stahl, Bau- und Rohstoffe, Holz, Papier, Konsumgüter, Mineralöl, Chemie und Container aller Art.
Das österreichische Schienennetz wird ständig aus- und umgebaut.
Bedeutung für Industrie
Der Schienengüterverkehr spielt eine zentrale Rolle für die österreichische Industrie – die Schiene hat hier einen Modalanteil von rund 28 Prozent. Der sogenannte Einzelwagenverkehr hat dabei besondere Bedeutung, er ermöglicht es, Wagen für Wagen flexibel zwischen unterschiedlichen Standorten zu transportieren und so auch dezentral gelegene Industrie- und Produktionsstandorte anzubinden. Gerade für ein Industrieland wie Österreich, dessen Wirtschaft stark von regional verteilten Produktionsstandorten geprägt ist, ist dieses System von großer Bedeutung. Sowohl große Schlüsselindustrien als auch zahlreiche mittelständische Betriebe profitieren davon, dass Transporte flexibel nach Menge, Zeitpunkt und Relation organisiert werden können. Die Beihilfen für den Einzelwagenverkehr machen möglich, dass den Industriebetrieben ein wettbewerbsfähiges Bahn-Angebot gestellt werden kann und sie ihre Transporte über die Bahn und nicht über den Lkw abwickeln.
Effizient und sicher
Ein weiterer ökologischer Vorteil der Bahn liegt in ihrer hohen Energieeffizienz. Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln benötigt die Schiene deutlich weniger Energie pro transportierter Einheit. Zudem ist der Flächenverbrauch geringer. Bahntrassen können mehr Menschen und Güter auf weniger Raum transportieren als Straßen. Gerade in dicht besiedelten Regionen oder in ökologisch sensiblen Gebieten ist dieser Aspekt besonders relevant. Der Ausbau der Schieneninfrastruktur ermöglicht es, Verkehr zu bündeln und gleichzeitig Natur- und Lebensräume zu schonen. Um den Bahnverkehr effizient und sicher zu machen werden zur Überwachung zunehmend digitale Systeme eingesetzt, darunter Tunnel- und Streckensensorik, automatisierte Überwachungstechnik sowie das Europäische Zugleitsystem ETCS zur Kapazitätserhöhung. Diese Technologien ermöglichen eine präzisere Zustandskontrolle und erhöhen die Sicherheit und Pünktlichkeit im Bahnbetrieb. Auch digitale Kupplungen im Güterverkehr und intelligente Kontrollsysteme an kritischen Streckenpunkten leisten einen Beitrag zur Modernisierung.
Die Fahrgastzahlen im Personenverkehr der Bahn steigen kontinuierlich.
Politische Maßnahmen
Die österreichische Verkehrspolitik setzt zunehmend auf die Förderung des Bahnverkehrs. Investitionen in Infrastruktur, wie neue Tunnelstrecken und Hochleistungsachsen, sollen die Attraktivität weiter steigern. Rieder: „Der ÖBB Rahmenplan 2025–2030 sieht Investitionen von 19,7 Milliarden Euro in den Aus- und Neubau des österreichischen Schienennetzes vor. Darin enthalten sind Großprojekte wie der weitere Ausbau internationaler Korridore, zusätzliche Kapazitäten in Ballungsräumen sowie langfristige Projekte wie der Semmering Basistunnel. Für 2026 und die Folgejahre stehen zudem zahlreiche regionale Modernisierungen an. Ziel ist es, Engpässe frühzeitig zu vermeiden und die Infrastruktur fit für zukünftige Mobilitätsbedürfnisse zu machen.“ Gleichzeitig werden Anreize geschaffen, um Unternehmen zur Nutzung der Schiene im Güterverkehr zu bewegen.
Auch im Personenverkehr zeigt sich ein Trend hin zur Bahn. Maßnahmen wie günstige Klimatickets und der Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes tragen dazu bei, dass immer mehr Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen. Sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr ist sie ein unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen Zukunft und wird diese Rolle angesichts der Klimaziele weiter ausbauen.
- 92 Eisenbahnunternehmen waren laut dem Jahresbericht der Schienen-Control GmbH Ende 2024 in Österreich tätig.
- 832 Kilometer legten Österreicher pro Person 2022 mit der Bahn zurück. Hinter Österreich lagen Frankreich, Schweden, Deutschland, die Niederlande und Dänemark.
- 113,3 Millionen Tonnen Güter wurden in Österreich im Jahr 2024 auf der Schiene transportiert, bei einer Verkehrsleistung von 22,7 Milliarden Nettotonnenkilometern.
- 19,7 Milliarden Euro investieren die ÖBB bis 2030 in den Aus- und Neubau des österreichischen Schienennetzes.
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