Aufrüstung als Jobmotor: Das Heer und die heimische Industrie

Das Heer sorgt für eine hohe Wertschöpfung in Österreich, die Schaffung von Arbeitsplätzen und internationale Kooperationen für heimische Betriebe.
Zwei Soldaten fahren in einem gepanzerten Kettenfahrzeug mit Tarnanstrich und Kanone über einen schlammigen Untergrund.

1. Stetig steigende Investitionen 

Beliefen sich die Investitionen des Bundesheeres (Auszahlungen aus der Investitionstätigkeit, UG 14) im Jahr  2015 noch auf  188 Mio. Euro, so stiegen diese  für das Jahr 2026 auf geplante 1,73 Mrd.  Euro. Das macht eine Steigerung um rund 820 Prozent. 

Die Beschaffungen erstrecken sich über Investitionen, aber auch betriebliche Beschaffungen, wie z. B. Treibstoffe, Kommunikationsmittel, Ersatzteilbeschaffung, Zahlungen an die Austro-Control und vieles mehr. Derzeit liegt das Wehrbudget pro Jahr bei knapp 4,9 Mrd. Euro. Der Betrieb liegt in etwa bei 700 Mio. Euro pro Jahr, die Investitionen in den Ausrüstungsbereich liegen bei rund 1,9 Mrd. Euro pro Jahr. Beide Budgetbereiche sind jährlich ansteigend. Mit einem Gesamtvolumen von rund 473 Millionen Euro wird die militärische Infrastruktur 2026 bundesweit modernisiert und erweitert. Davon fließen circa 55 Prozent in Projekte des Aufbauplans ÖBH2032+ zur Weiterentwicklung militärischer Fähigkeiten – hier bleiben 100 Prozent der Wertschöpfung in Österreich. Die weiteren 45 Prozent werden für den Erhalt der derzeitigen Fähigkeiten und der technischen Modernisierung der Liegenschaften verwendet.
 

2. Bundesheer schafft Arbeitsplätze

Das Bundesheer hat im Jahr 2025 trotz Abgängen (Pensionierungen, Kündigungen und andere Gründe) einen deutlichen Anstieg bei den Personalaufnahmen verzeichnet und damit mehr neue Mitarbeiter gewonnen als im Vorjahr. Im Rahmen der Personaloffensive „Mission Vorwärts“ starteten im Jahr 2025 mehr als 3.039 Männer und Frauen ihre Laufbahn beim Bundesheer. Im selben Zeitraum wurden 2.344 Abgänge verzeichnet. Das Ergebnis: ein Nettopersonalzuwachs von 695 Personen und somit eine sehr positive Personalentwicklung.

Ein positiver Anstieg zeigt sich bei den Soldaten: Im Jahr 2025 wurden 1.776 Aufnahmen verzeichnet, denen 1.372 Abgänge gegenüberstehen; ein Plus von 404 Soldaten. Auch im zivilen Bereich war ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen: Bei 1.263 Aufnahmen und 972 Abgängen ergibt sich ein Wachstum von 291 zivilen Mitarbeitern. Die Lehrlingsaufnahmen zeigen ebenso eine positive Entwicklung: 105 Lehrlinge, darunter 61 Männer und 44 Frauen, haben 2025 ihre Ausbildung beim Bundesheer begonnen. Nach Abgang von 26 Personen bleibt ein Zuwachs von 79 Lehrlingen. Die meisten von ihnen starteten ihre Ausbildung in der Steiermark, in Wien und in Oberösterreich.
 

3. Beschaffung im Luftbereich

Im Luftbereich wird das Bundesheer in Zukunft nur mehr zwei Hubschrauber-Flotten betreiben. Vom gemeinsam mit dem italienischen Verteidigungsministerium beschafften Hubschrauber AW 169 „Lion“ wurden 36 Stück  angekauft, geliefert wurden bisher zwölf. 
Die derzeit aus neun Hubschraubern bestehende Blackhawk-Staffel auf wird zwölf aufgestockt. Zusätzlich wird eine zweite  Staffel an Blackhawk-Hubschraubern G2G über das FMS System von den USA beschafft, die zwölf Hubschrauber umfasst. 

Im Bereich der Lufttransportkapazität 20 Tonnen werden gemeinsam mit den Niederlanden und Schweden für das ÖBH 4 C390 Transportmaschinen aus brasilianischer Produktion beschafft. Diese kooperative Beschaffung umfasst für die drei Nationen insgesamt 14 Flugzeuge (NLD/5, AUT/4, SWE/4).   
Der Ankauf von zwölf Leonardo-M-346-FA-Jets wurde abgeschlossen. Der Stückpreis liegt bei rund 80 Millionen Euro, das gesamte Paket mit Bewaffnung, Simulator, Ausbildung und Wartung bei etwa 1,5 Milliarden Euro.
 

Sechs Soldaten in Uniform und Schutzwesten knien mit Gewehren vor einem gepanzerten Militärfahrzeug auf einer Straße.

Personal-Offensive: 3.039 Neuaufnahmen sorgen für Mitarbeitenden-Plus beim Heer.

4. Internationale Kooperationen 

Im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft ist industrielle Kooperation – sprich die vertragliche Vereinbarung eines bestimmten nationalen Technologieanteils bei militärischen Beschaffungen aus dem Ausland – weltweit etablierte und gelebte Praxis. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass der Aufbau und die Erhaltung einer nationalen Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft ein essenzielles nationales Sicherheitsinteresse darstellt.

Parallel zum Kauf der Leonardo-M-FA-Jets wurde  ein Industrieabkommen mit Italien abgeschlossen. Dieses Government-to-Government-Geschäft soll rund 400 Millionen Euro an Aufträgen in Österreich auslösen. Vorgesehen sind Projekte in der Luftfahrttechnik, der Zulieferindustrie, der Digitalisierung und in Forschungsfeldern wie Materialtechnologie, Simulation oder Sensorik.

Das Abkommen ist so gestaltet, dass es österreichische Sicherheitsinteressen wahrt und zugleich europarechtskonform bleibt: Profitieren sollen jene Unternehmen, die technisch die besten Lösungen anbieten.

5. Hohe Wertschöpfung bleibt im eigenen Land

  • Das Bundesheer investiert kräftig in die Sicherheit Österreichs – und stärkt dabei auch die heimische Wirtschaft. Bei Großprojekten  bleiben große Teile der Wertschöpfung im Land.  
    Neue Kaserne: In Villach wird die größte neue Kaserne seit Jahrzehnten, mit einem Investitionsvolumen von 400 Millionen Euro, gebaut. Dabei gehen 99 Prozent der Aufträge an heimische Bauunternehmen.
  • StG77: Das Sturmgewehr 77 ist seit Jahrzehnten im Einsatz, 100 Prozent  der Produktion finden in Österreich satt.
    Pandur Evolution: Beschaffung von 220 Fahrzeugen mit einem Investitionsvolumen 1,8 Mrd. Euro – 70 Prozent Wertschöpfung in Österreich, mehr als 220 Unternehmen sind eingebunden.
  • LKW-Flotte: Modernisierung mit 850 neuen Fahrzeugen bis 2027 mit einem Investitionsvolumen 221 Mio. Euro, 
    Fertigung durch zwei österreichische Firmen, 100 Prozent Standortsicherung.
  • Battle Management System: Europäische Beschaffung, Echtzeit-Datenübertragung am Gefechtsfeld. 20 Nationen sind hier im Verbund.
    Drohnen: 315 Systeme für 10 Mio. Euro beschafft.
     

6. Zukunftsweisende Projekte in den Bundesländern 

  • Im Burgenland werden circa 6,4 Millionen Euro investiert; das größte Projekt mit circa 1,8 Millionen Euro ist die Neuerrichtung eines Biomasseheizwerks in der Benedek-Kaserne in Bruckneudorf. Ein weiteres großes Vorhaben ist  in der Martin Kaserne geplant.
  • In Niederösterreich werden rund 102,1 Millionen Euro investiert, darunter circa 24,2 Millionen Euro für einen neuen Hangar für zwei Staffeln des Systems AW169 am Fliegerhorst Figl – Flugplatz Pabisch in Langenlebarn. Darüber hinaus werden im größten Bundesland Österreichs unter anderem Vorhaben am Standort der Theresianischen Militärakademie, in der Burstyn-Kaserne und in der Ostarrichi-Kaserne umgesetzt.
  • In Wien werden 115,7 Millionen Euro investiert; unter anderem rund 13,2 Millionen Euro für die Generalsanierung des Verwaltungsgebäudes in der Maria-Theresien-Kaserne im 13. Bezirk. In der Bundeshauptstadt werden ebenfalls in einigen weiteren Kasernen Maßnahmen gesetzt wie beispielsweise in der Rossauer-Kaserne, der Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne und im Kommandogebäude General Körner.
  • In Oberösterreich fließen rund 64,9 Millionen Euro in die Infrastruktur, davon circa 9,5 Millionen Euro in einen neuen Garagenbezirk für das System Kampfpanzer Leopard in der Hessen-Kaserne in Wels. Der Neubau ersetzt ein Provisorium aus den 1960er-Jahren. Neben diesem größeren Projekt werden beispielsweise auch Vorhaben im Amtsgebäude Garnisonstraße und am Fliegerhorst Vogler in Hörsching realisiert.
  • Für Salzburg sind circa 31,2 Millionen Euro geplant; hier wird unter anderem die Mannschaftsunterkunft in der Wallner-Kaserne in Saalfelden mit 5,5 Millionen Euro generalsaniert. Weiters werden hier auch Projekte etwa in der Krobatin-Kaserne und der Schwarzenberg-Kaserne realisiert.
  • Die Steiermark erhält gerundet 77,9 Millionen Euro, darunter 13,6 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen für das System AW169 am Fliegerhorst 
    Fiala Fernbrugg in Aigen im Ennstal. Kernstück ist der Bau einer neuen Typenwerft sowie neuer Flugbetriebs-, Staffel- und Lagergebäude. Auch für die Belgier-Kaserne, die Landwehr-Kaserne und die Hackher-Kaserne sind mitunter weitere Projekte geplant.
  • Kärnten erhält für alle Projekte circa 30,9 Millionen Euro, wovon 25,3 Millionen Euro in die Neuerrichtung einer Großkaserne, der Hensel-Kaserne, in Villach für das Pionierbataillon 1 und das Führungsunterstützungsbataillon 1 fließen. Zusätzlich sind weitere Maßnahmen unter anderem in der Laudon-Kaserne, der Türk-Kaserne und der Khevenhüller-Kaserne geplant.
  • Nach Tirol fließen circa 39,2 Millionen Euro; unter anderem 10,9 Millionen Euro in die Neuerrichtung des Sanitätszentrums West im Amtsgebäude Steiner in Innsbruck. Es wird ein neues militärisches Krankenanstaltsgebäude sowie ein Büro- und Unterkunftsgebäude errichtet. Das  Vorzeigeprojekt soll künftig  energieautark sein.  Auch sind weitere Vorhaben geplant, wie etwa am Truppenübungsplatz Hochfilzen, in der Standschützen-Kaserne und der Andreas-Hofer-Kaserne.
  • Vorarlberg profitiert von rund 4,8 Millionen Euro, darunter circa 1,2 Millionen Euro für ein neues Probezentrum der Militärmusik im Kommandogebäude Oberst Bilgeri in Bregenz. Ebenso wird hier ein Vorhaben in der Walgau-Kaserne realisiert.

7. Kampfanzüge, Tarnanzüge und Sturmgewehre

Der individuelle Schutz  der Soldatinnen und Soldaten sowie der Zivilbediensteten hat beim Bundesheer oberste Priorität, damit sie ihre vielfältigen und zum Teil sehr gefährlichen Aufträge erfüllen können. Daher wird modernste Schutzbekleidung beschafft. Für die Soldaten des österreichischen Bundesheeres ist der neue Kampfanzug fast zur Gänze ausgeliefert. Zusätzlich wird in diesem Bereich bereits an einer Verbesserung des Materials und der Rüstung gearbeitet. 2026 wird die Ausrollung des neuen Tarnanzuges weiter fortgesetzt und auf weitere Verbände ausgeweitet werden. Ziel ist es, alle Einsatz- und Ausbildungseinheiten schrittweise mit zeitgemäßer, einsatzorientierter persönlicher Ausrüstung auszustatten.

Wesentliche Beschaffungen stellen auch die modernen Kampfhelme, die  laufende Ausrollung von neuen Kampfstiefeln, die 3-D-Nachtsichtbrille,   der Zulauf von 2.530 Soldatenfunkgeräten inklusive Headsets dar. 
Die Modifikation des StG77 durch den Produzenten   Steyr Arms , mit einem Auftragsvolumen von mehr als 20 Millionen Euro wird auch im Jahr 2026 fortgeführt. 

8. Kampfpanzer: Weiter einsatzfähig für die nächsten 20 Jahre

Im Bereich der Landstreitkräfte wird die gesamte Kampfpanzerflotte einer Nutzungsdauerverlängerung unterzogen. Damit werden die Leopard-Kampfpanzer für die nächsten zwanzig Jahre einsatzbereit sein. Die neue Konfiguration bedeutet, dass der Kampfpanzer durch einen deutschen Anbieter bezogen auf Fahrwerk, Wanne, Turm, Richtmittel, Kommunikationsmittel und Sichtmittel grundlegend überarbeitet wird. Durch diese Nutzungsdauerverlängerung ist es Österreich gelungen, in relativ rascher Zeit seine komplette Kampfpanzerflotte zu modifizieren und diese einsatzbereit der Truppe wieder zuzuführen. 

Von den 112 Schützenpanzern ULAN, die seit 2003 beim Bundesheer im Einsatz sind, werden momentan 18  über eine Dauer von sechs Monaten beim Hersteller in Wien-Simmering modernisiert. Die Modernisierung des Gesamtbestands soll bis 2030 abgeschlossen sein und kostet laut Verteidigungsministerium 370 Millionen Euro. Zusätzlich ist geplant, die Fahrzeugfamilie Schützenpanzer ULAN durch zusätzliche Fahrzeuge für Kommunikation, Führung, Steilfeuerunterstützung etc. zu ergänzen. 

9. Pandur-Radpanzer aus österreichischer Produktion

Über 300 neue Mannschaftstransportpanzer des Typs Pandur Evolution  aus österreichischer Produktion werden an das Bundesheer ausgeliefert. Diese  kommen zusätzlich zu den bereits vorhandenen Panduren. Die Radpanzer im Wert von 1,8 Milliarden Euro gab das Verteidigungsministerium bereits Anfang 2024 in Auftrag. Bis 2032 soll die Auslieferung abgeschlossen sein. 36 Panzer sollen mit dem Flugabwehrsystem Skyranger Drohnen abwehren können. 

Die gesamte Fahrzeugfamilie wird in verschiedenen Konfigurationen, auch unter anderem als Führungsunterstützungsfahrzeug, Eloka-Fahrzeug, San-Fahrzeug, Granatwerfer-Fahrzeug, FLA-Fahrzeug, Pionierfahrzeug etc.  zur Verfügung gestellt. Insgesamt wird das ÖBH in der Zukunft über eine Flotte von mehr als 400 Pandur-Radpanzern verfügen. 
Für einen Teil der Einsatzverbände werden neue leichte Geländefahrzeuge unterschiedlicher Konfiguration zulaufen und gemeinsam mit den bereits beschafften Allschutztransportfahrzeugen DINGO und geschützten Mehrzweckfahrzeugen HUSAR  das Rückgrat der Mobilität des ÖBH darstellen. 

10. Mit Drohnen gegen die Bedrohung aus der Luft

Das Bundesheer arbeitet  an einem mehrschichtigen Ansatz zur Drohnenabwehr: von elektronischer Kampfführung über Sensorik bis hin zu kinetischen Systemen. So werden zusätzlich zu den bereits beschafften Aufklärungsdrohnen für die Kompanie-Ebene, auch Drohnenbeschaffungen für die Bataillons- und Brigadeebene angeschafft. Diese Systeme größerer Reichweite mit einer weit höheren Zuladungskapazität dienen nicht nur  Aufklärungszwecken, sie werden auch mit der entsprechenden Bewaffnung zu Kampfzwecken ausgestattet. Weiters wird an der Beschaffung von Kampfdrohnen gearbeitet, insbesondere Kamikaze-Drohnen und Loitering-Munition, also unter anderem mit Sprengstoff beladene Drohnen für Kampfeinsätze. 

Die Beschaffung eines leistungsfähigen Drohnenabwehrsystems geht  in die Endphase und wird ab dem Jahr 2027 zur Verfügung stehen. Die Zusammenarbeit mit der heimischen Industrie spielt dabei eine zentrale Rolle – wo immer es möglich ist, wird  bewusst auf Made in Austria gesetzt, um die Versorgungssicherheit zu stärken,  Arbeitsplätze zu sichern und technologische Souveränität zu schaffen. 

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