Kolumnen
26.01.2019

Zwischen Wunder und Tragödien

Es gleicht einem Wunder, dass es in Kitzbühel, anders als in Wengen, Garmisch, Megéve, nie Tote gab.

Er war bei seinem Streif-Debüt gleich Sechster und zehn Jahre später Abfahrtsweltmeister 2001 geworden. Doch er war vor allen seinen fast 100 Weltcup-Starts nie so nervös wie gestern in Kitz. Denn als Kurssetzer und FIS-Weltcup-Direktor ist Hannes Trinkl Letztverantwortlicher bei Herren-Speed-Rennen.

Dass der Spiegel in ihm einmal den Hauptschuldigen für’s Pisten-Harakiri sah, hat der vermeintliche Schinderhannes selbst nie gelesen. Dass der hauptberufliche Landwirt im Mai beim Fällen eines Baumes beinah von diesem erschlagen worden war, hat er körperlich längst weggesteckt. Viel mehr schmerzt ihn, wenn Woche für Woche ein Abfahrer auf dem OP-Tisch landet. Dass so viele „Verschneider“ wie im Falle des Schweizers Marc Gisin die Unfallursache seien, mache ihn ratlos, gestand Trinkl, ehe er nach dem ersten Teamcaptains-Meeting zu Wochenbeginn sagte: „Ich wäre der Glücklichste, wenn amol nix passiert.“ Der Wunsch blieb unerfüllt.

Max Franz brach sich das Fersenbein, ohne gestürzt zu sein. Der für Schweden startende Osttiroler Alexander Köll wurde im Rettungshubschrauber von der Streif geflogen. Und Vincent Kriechmayr verdankt nur seiner Athletik, dass er trotz permanenter Sturzgefahr die bald 40 Saisonopfer (Damen und Herren) umfassende Ausfallliste nicht auch noch ergänzt. Fährt das Material mit den Läufern davon, wie der Ex-Weltklassepilot Marco Büchel in TV-Analysen behauptet ?

Alle Winter wieder wird die Sinnfrage gestellt. Alle Winter wieder werden die Sicherheitsvorkehrungen intensiviert. Alle Winter wird in Kitzbühel versucht, bei gleichbleibendem Nervenkitzel das Risiko (Zielsprung abgetragen) zu verringern.

Trotzdem gleicht’s einem Wunder, dass es dort, anders als in Wengen, Garmisch, Megéve, nie Tote gab. Beim Rennen nach dem Rennen aber starben in der Vergangenheit drei Zuschauer. Das freilich wurde von den Veranstaltern verschwiegen. Statt dessen reagiert. Die Streif bleibt für Publikumsskilauf nach dem sonntägigen Super-G gesperrt.