Kolumnen
05/14/2021

Zwängler aus Gigritzpatschen

Wer diese Stadt liebt, darf auch über sie keppeln. Welche Beziehung ist denn schon komplett konfliktfrei?

von Barbara Mader

Man solle doch, bitteschön, erst die Welt erkunden, bevor man die hiesige Lebensqualität in Zweifel ziehe, grollte nun Leserin Edith G. angesichts unserer jüngsten zarten Kritik an dieser schönen Stadt.

Recht hat die Dame, dachten wir im Redaktionskomitee der Wiener Ansichten, nichts wie hinaus mit uns. Bevor wir jedoch die Koffer packen, um unseren Horizont nun auch über Gigritzpatschen hinaus zu erweitern, sei uns noch die eine oder andere Suderei gestattet.

So unermesslich unsere Wien-Liebe auch ist, so wenig gefällt uns das Betonier-Gehabe dieser Stadt. Rom, Paris, New York – wir kommen! Bis dahin ärgern wir uns weiter über die Verbauung der letzten Grünflächen Wiens. Wegen dem Klimawandel warad’s.

Apropos, ziemlich überhitzt geht’s dieser Tage in der Wiener Innenstadt zu. Überall wuselt es. Nichts für Menschen, die Abstand mögen. Wer, wie das Gros des Redaktionskomitees, zuletzt etwas leutscheu geworden ist, der muss sich erst wieder an die anderen gewöhnen. Wir haben Berührungsängste entwickelt. Unsere leicht zwänglerischen Anwandlungen erinnern uns an unsere Angst vor der Geisterbahn. Dort arbeiteten einst sogenannte Erschrecker, extra dafür angestellt, den Fahrgast aus dem Hinterhalt zart zu berühren. Wahrscheinlich heute streng verboten. Wegen Corona und weil ja überhaupt alles verboten ist. In diesem Fall sagen wir: Gutes Verbot. Wer als Kind einmal vom Erschrecker betatscht wurde, dessen Respekt vor der Geisterbahn ist zeitlebens immens.

Um Verständnis für die Gespenster in der Geisterbahn wirbt nur der Autor Jürgen Heimlich in seinem feinen Buch über den Prater. („Geschichten vom Wiener Prater“, erhältlich z. B. bei Morawa online).

Herrn Heimlichs Hochachtung vor den Gespenstern geht so weit, dass er träumte, das Geisterbahn-Skelett habe die Grenzen seines Arbeitsplatzes überschritten und sei davonspaziert.

Puh, sagen wir. Ganz ehrlich: Unsere Berührungsängste mit Leuten und Gespenstern werden dadurch nicht kleiner.

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