Kolumnen
23.06.2018

Zu groß für mein Foto

"ÜberLeben": Heute muss ich mich entschuldigen. Ich bin größer, als Sie vermutlich geglaubt haben. Es tut mir leid. (Zu oft mit Substral geduscht?)

Kürzlich stehe ich mit dem Kollegen und lieben Freund Michael Hufnagl am Donaukanal. Wir trinken Bier, blödeln und warten auf unseren Auftritt bei einer KURIER-Kolumnisten-Lesung, als plötzlich ein netter Herr auf uns zutritt und sich als Leser vorstellt. Er lese unsere Texte sehr gerne, sagt er, und wir sagen artig „Danke“ und „Wir freuen uns“ und machen ein wenig Konversation.

Wir haben uns schon verabschiedet, als der Leser sich umdreht und uns genau mustert und meint, etwas müsse er aber schon kritisch anmerken: Ich sei für mein Kolumnenbild zu groß, und Hufnagl sei für sein Foto zu klein.

Wir halten das zuerst für einen Witz und lachen, aber er sagt, nein, das sei ernst gemeint.

Aber die Kolumnenbilder seien ja nur Fotos ohne Vergleichsgrößen, sagen wir zu ihm. Man sieht jeweils nur ein Gesicht, wie könne man da auf die Körpergröße schließen? Das habe er einfach im Gefühl, meint der Leser und verabschiedet sich trotz unserer unpassenden Maße freundlich.

Das erinnerte mich daran, dass ich David Hasselhoff einmal in der Londoner U-Bahn begegnet bin. Ich war erstaunt, wie groß er war: Hasselhoff ist 1,93. Ich hatte mir aufgrund seiner Fernsehauftritte irgendwie erwartet, Hasselhoff sei klein. Ich sah Hasselhoff freundlich ins  Gesicht, er schaute freundlich zurück, und gerade, als er offenbar sagen wollte, Hallo Guido, altes Haus, wie geht’s dir, du bist ja auch ziemlich groß – zerrte ihn das Kamerateam, mit dem er unterwegs war, in die Gegenrichtung davon.

Ich bin übrigens 1,87 Meter groß, und falls mein Kolumnenfoto etwas anderes suggeriert, tut es mir leid. Bis zum nächsten Fototermin werde ich versuchen, entweder kleiner zu werden oder im Gesicht größer auszuschauen. Und Michael Hufnagl lässt ausrichten, er duscht nur noch mit Substral. Vermutlich ist er demnächst  zwei Meter zwanzig hoch.