Welches Geschlecht haben Nestroy, Bismarck und Tegethoff?
„Wieso heißt das Schiff, benannt nach JOHANN NESTROY und zweifellos männlichen Geschlechts, die MS NESTROY? Bei vielen anderen Schiffen, wie bei dem Eisbrecher EISVOGEL, ebenfalls maskulin, ist es genau so!“
Die Anfrage von Leser Günther P. birgt einiges Nachdenkpotenzial. Zur Erklärung: Das auf der Donau verkehrende Schiff „MS Nestroy“ ist ein Motorschiff (MS) und wird trotzdem mit dem weiblichen Artikel versehen, ebenso wie der – eigentlich maskuline – „Eisvogel“. Sind Schiffe folglich immer weiblich? Im deutschen Sprachraum ist das in der Regel tatsächlich so, wie die Recherche ergibt: die Nautilus, die Admiral Tegethoff, die Bismarck etc. Auch im Englischen sind Schiffe weiblich (wer von der Titanic spricht, nennt sie „she“), während im Französischen (in Analogie zum maskulinen Artikel des Wortes le navire = „Schiff“) vor Schiffsnamen der männliche Artikel gesetzt wird: Mit le France bezeichnen die Franzosen das gleichnamige Schiff, mit la France ihre Heimat.
Über den Grund für den Zug zum Weiblichen bei englischen und deutschen Schiffen kann nur spekuliert werden. Eine Theorie besagt, dass einst für Seeleute ihr Schiff quasi zur Geliebten wurde, die gehegt und gepflegt und notfalls auch mit dem Leben verteidigt werden musste. Gut möglich, dass auch die früher rundlichen Formen des Schiffsbauchs dazu beigetragen haben. Fest steht jedenfalls: Sollte der US-Präsident demnächst auf die Idee kommen, einen Flugzeugträger nach sich benennen zu lassen, haben die Amerikaner nicht nur den, sondern auch die Donald Trump am Hals.
Einfacher liegen die Dinge bei der auf den ersten Blick seltsamen lateinischen Regel, wonach alle Bäume feminin sind (auch wenn sie die maskuline Endung -us aufweisen wie z. B. fagus „Buche“, quercus „Eiche“, ulmus „Ulme“). Der Grund: Die alten Römer orteten in den Bäumen die Wohnsitze von weiblichen Naturgeistern, den Nymphen. Ob sie deswegen bei jedem Baum, an dem sie vorbeikamen, „Oh, it’s a Fee!“ riefen, sei dahingestellt.
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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.
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