Heute geht es um die Wurst
Wurst ist nicht gleich Wurst, zumindest im deutschen Sprachraum.
Kürzlich wurde im Freundeskreis ein brisantes Problem gewälzt. Es ging um – die Wurst. Die Problemstellung lautete: Wie bestelle ich auf Englisch eine Extrawurst? Jedenfalls, so war man sich einig, keinesfalls mit den Worten: „May I have an extra sausage“? Diese Frage würde nämlich zur Folge haben, dass man eine Extraportion Wurst serviert bekommt. Um nicht wie ein Wurschtl dazustehen, recherchierte der Wortklauber unter englischen Native Speakern und kam zur Erkenntnis: Die feine Differenzierung von Wurstsorten gibt es im englischen Sprachraum nicht – von wenigen Ausnahmen abgesehen, läuft fast alles unter dem Titel „sausage“.
Die Wurstvielfalt scheint eine Spezialität des deutschen Sprachraums zu sein – also hinein ins Reich der Würste und ihrer Benennungen! In der Salami steckt das lat. Wort sal („Salz“, mit dem die Wurst gepökelt, also haltbar gemacht wird). Die gleichnamige Taktik (Verfolgung eines Ziels in kleinen Schritten) verdankt ihren Namen dem Umstand, dass die Salami aufgrund ihres würzigen Geschmacks in dünne Scheiben geschnitten wird. Die ähnliche Kantwurst ist natürlich nicht nach Immanuel, sondern nach ihrer rechteckigen Form benannt. Von der Kant- ist es nicht weit zur Pikantwurst, deren Name selbsterklärend ist – ebenso wie der der Käse- oder Champignonwurst. Diesen Sorten, die nach ihrem Inhalt bezeichnet werden (die Bergsteiger gehört zum Glück nicht dazu), stehen jene gegenüber, in deren Name sich die (angebliche) Provenienz spiegelt: Die Liste reicht von der Krakauer über die Schwarzwälder bis zu den Frankfurtern (die in Deutschland bekanntlich Wiener heißen).
Österreichisches Lokalkolorit weist die Blunze (= Blutwurst) auf. Peter Wehle führt ihren Namen auf mittelhochdeutsch blunsen = „aufblähen“ zurück. Die despektierliche Bezeichnung „blade Blunzn“ ist demnach also ein Pleonasmus, da dasselbe doppelt ausgedrückt wird. Wenn Sie allerdings ohnehin zur Slim-Fraktion gehören, kann Ihnen das ziemlich blunzn sein.
Fundstück der Woche: „Faschierte Laichen per 100 g 1,90 €“ (Angebot in einer Spar-Filiale in Mürzzuschlag) – Ob diese Werbung einen Run auf das Faschierte ausgelöst hat, ist zu bezweifeln.
***
Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.
Kommentare