Was sich der Wortklauber für 2026 wünscht
Jungs oder Burschen? Das Plakat wird hier nicht kommentiert.
Viele Berufsgruppen haben ja sehr spezifische Wünsche, mit denen sie an das neue Jahr herangehen: Buch- und Zeitungsverleger, dass ihnen ihre Gedächtnisleistungen erhalten bleiben (und sie nicht dauernd nach verlegten Exemplaren suchen müssen); die Hersteller von Hygieneartikeln, dass sie von Stichproben (z.B. bei Kondomen) verschont bleiben werden; und der eine oder andere Schlosser, dass er endlich auch einmal die Uni abschließen kann. Doch was ersehnt sich eigentlich der Wortklauber für das Jahr 2026? Hier seine persönliche Wunschliste.
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Dass sich bei Österreichs Gastronomen, Hoteliers und Dienstleistern endlich die Erkenntnis durchsetzt, dass man seine Gäste und Kunden nicht „Herzlich Willkommen“ heißen darf, sehr wohl aber „Herzlich willkommen“.
Dass wir auch Ende 2026 wieder statt Adventskalendern Adventkalender kaufen können.
Dass die Wendung „ab und an“ dorthin zurückgeschickt wird, wo sie herkommt.
Dass der geschätzte deutsche Trainer des österreichischen Fußballnationalteams nicht nur seine „Jungs“, sondern auch seine „Burschen“ aufs Feld schickt – wenigstens ab und zu.
Dass dem Wiener Bürgermeister ein Synonymwörterbuch zur Verfügung gestellt wird, mit dessen Hilfe er die Frequenz seiner Lieblingsfloskel „von daher“ zumindest halbieren kann.
Dass Ferdinand Waldmüller auf einer Bildlegende im Oberen Belvedere nicht mehr „zu einem der gefragtesten Künstler*innen in Wien“ erklärt wird.
Dass das Innen-Ministerium durchgreift und per Erlass die Salzstreuer durch die SalzstreuerInnen ersetzt.
Dass „dementsprechend“ niemals nach der zweiten Silbe ein Leerzeichen verpasst bekommt.
Dass der „Urlaubshit“ immer richtig abgeteilt wird.
Und last, but not least: Dass im Sinne der gendergerechten Sprache aus der Petersilie endlich die Petrasilie wird.
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Fundstück der Woche: „2026 trifft Orbán auf den ersten, ernst zunehmenden Gegenkandidaten seit Langem.“ (KURIER)
Ob die hohe Gewichtszunahme des Orbán-Rivalen auf die üppige Feiertagsvöllerei zurückzuführen ist, bleibt offen.
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Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.
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