Sind Sie gut beim Artikulieren?

Ein Aufsteller mit den Buchstaben „DRY JAN“ steht neben einem Glas Wasser auf einem Tisch.
Wolfram Kautzky geht in seiner Kolumne "Wortklauberei" den Wörtern auf den Grund.

„Deutsch ist maximal schwierige Sprache. Jedes Hauptwort hat Artikel!“, ächzt Milan. Seit zwei Jahren in Wien ansässig, hat er ohnehin schon große Fortschritte gemacht. Erkannt hat er aber präzise, was das Erlernen unserer Sprache, unter anderem, so mühsam macht: der Artikel. Abgeleitet ist das Wort „Artikel“ von lat. articulus („kleines Glied“) – es handelt sich also um ein „Satzteilchen“.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Fremdsprachen verfügt das Deutsche über drei Geschlechter: feminin („die“), maskulin („der“) und neutrum („das“). Der Haken: Die Artikel müssen für die meisten Wörter extra gelernt werden und entziehen sich weitgehend irgendwelchen Regeln – dass es „der Monat“ und nicht „das Monat“ heißt, müssen Nicht-Native-Speaker wie Milan mühsam lernen (viele deutsche Native Speaker übrigens auch). Dazu kommt noch die Unterscheidung zwischen bestimmtem („der/die/das“) und unbestimmtem („ein/eine“) Artikel: „Das ist die Erziehung!“, posaunt der stolze Hundebesitzer hinaus, als sein Hündchen sein Haxerl nicht am Gehweg, sondern an der Baumscheibe hebt. „Das ist eine Erziehung!“, grantelt der ältere Herr, als der Nachbarshund mitten auf dem Weg seinen Haufen hinterlässt.

Eine Hürde stellt auch das Verschmelzen des Artikels mit Präpositionen dar. Prinzipiell gilt ja: „bei dem = beim“, „zu dem = zum“ (etc.). Man kann sich also „bei dem“ oder „beim“ Baum treffen, „zu dem“ oder „zum“ Freund gehen. Wenn Sie aber bei der Familienfeier das Glas mit den Worten „Zu dem Wohl!“ erheben, werden Sie irritierte Blicke ernten (und den Verdacht aufkommen lassen, Sie hätten an diesem Tag bereits zu oft „Zum Wohl!“ gesagt).

Bei manchen Vorwörtern ist die Verschmelzung überhaupt nur in der Umgangssprache zulässig: „aufm“, „übern“, „unters“ harren noch ihrer offiziellen Anerkennung, ebenso wie „hintern“. Letzteres Wort hat’s wenigstens in der Großschreibung schon in den Duden geschafft.

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Fundstück der Woche: „In der Justizanstalt Salzburg in Puch-Urstein (Tennengau) kann der 36-Jährige die Höchststrafe nicht absitzen, dort nimmt man nur wesentlich kürzere Häftlinge. (orf.at)

Wir lernen: In Puch landen nur Delinquenten unter 1,60 m Körpergröße.

Wolfram Kautzky ist Philologe und geht gerne den Wörtern auf den Grund.

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