Kolumnen
06/10/2021

Wir sind unsichtbar

Was ein Kunstwerk aus Nichts und Wien vielleicht miteinander zu tun haben.

von Guido Tartarotti

Die Geschichte ist schön und passt gut in unsere Zeit: Ein aus Nichts bestehendes Kunstwerk – die Skulptur „Io Sono“ (Ich bin) des italienischen Künstlers Salvatore Garaus – wurde bei einer Auktion um 14.820 Euro versteigert. Das Werk existiert nicht – der Künstler bevorzugt die Bezeichnung „ist unsichtbar“ – misst aber 1,5 mal 1,5 Meter, die Höhe ist unbekannt.

Das Werk wirft interessante Fragen auf. Zum Beispiel:  Muss etwas da sein, um zu existieren?  Muss man etwas be-greifen können, um es zu begreifen?   Hat Wert nur, was man messen, wiegen, beschreiben kann? Ist nicht auch Geld nur eine Behauptung, gedruckt auf  relativ billigem Papier, eine Behauptung, bei der sich alle darauf geeinigt haben, sie zu glauben?

Wien ist übrigens von Platz 1 der lebenswertesten Städte der Welt auf Platz 12 abgerutscht. Vielleicht sollten wir  unsere unsichtbaren Sehenswürdigkeiten mehr betonen: Fröhlichkeit, Weltoffenheit und Lebensfreude.

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