Feigenblatt
Am Sonntag nach 23 Uhr – jene Sendezeit, zu der auf RTL Anfang der 1990er die Spielshow „Tutti Frutti“ lief – ließ man auf ORF 2 die Hüllen fallen. Allerdings nicht ganz: Die Doku „Das versteckte Geschlecht – Kunst und Scham“, ursprünglich für Arte produziert, befasste sich ebenso kundig wie kurzweilig mit den Tricks, mit denen die Kunst seit der Antike es vermieden hatte, Geschlechtsteile darzustellen.
Nicht nur ein ganzer Garten von Accessoires – von Feigen- über Weinblättern bis zu rein zufällig ins Bild wachsenden Äpfeln und Pfirsichen – waren da zu sehen. Fachleute erklärten auch die Gründe für Darstellungstabus (Meist: Angst vor der Sprengkraft körperlichen Begehrens).
Irgendwann war das Feigenblatt nur noch Symbol für Prüderie. Der Maler Gustave Courbet malte 1866 das, was es verbarg: Sein berühmtes Bild „Der Ursprung der Welt“ wird nun ab Donnerstag im Wiener Leopold Museum zu sehen sein.
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