Kolumnen
09/10/2020

Wiener Ansichten: Lauter Querulanten

Bürgerintitiativen können einem ziemlich auf die Nerven gehen. Warum wir sie trotzdem brauchen

von Barbara Mader

Was haben Journalisten und Politiker gemeinsam? Beim Wort „Bürgerinitiative“ verdrehen sie die Augen.

Als lästig gelten sie, diese Bürgerinitiativler. Als Querulanten mit zu viel Tagesfreizeit. Denen es meistens eh nur um das geht, was sich vor und im eigenen Garten abspielt (– der geprägt ist von den Insignien des schlechten Geschmacks: mit der Nagelschere geschnittener Rasen, umsäumt von Thujenhecken. Exakt so wurde unlängst ein Artikel über eine Bürgerinitiative bebildert). Dazu kommt: Oft wohnen diese als Querulanten Gebrandmarkten in Flächenbezirken am Stadtrand. Die Bobos im Zweiten oder im Siebenten (okay, das ist jetzt auch ein Klischee, aber das ist meine Kolumne, ich darf das) interessiert’s wenig, ob man den Transdanubiern das letzte Grün zubaut.

Wer sich wehrt, wird als Verhinderer hingestellt. „Ich finde es gegenüber Familien, die leistbaren Wohnraum suchen, nicht fair, wenn eine kleine Gruppe versucht, ihre Interessen durchzusetzen“, wurde nun ein Lokalpolitiker in einer Wiener Stadtzeitung zitiert. Leistbarer Wohnraum, ein Killerargument. Ob die unendlich vielen freifinanzierten Eigentumswohnungen, die derzeit in Transdanubien gebaut werden, auch in die Kategorie leistbarer Wohnraum für Familien gehören? Gerade angesichts der Verdienste, die Wien in dieser Hinsicht geleistet hat und zum Teil immer noch leistet, sollte man diesen Begriff nicht überstrapazieren. Und vor allem die Menschen nicht für blöd verkaufen.

Ja, Bürgerinitiativen können lästig sein. Doch gäbe es sie nicht, gäbe es vieles nicht, auf das man heute in Wien stolz ist. Der Naschmarkt oder das Barock-Ensemble am Spittelberg etwa wären Opfer der Abriss- und Neubaupolitik der Stadt geworden. Natürlich, vieles, auf das wir heute ebenso stolz sind, gäbe es auch nicht, wenn sich die erbosten Bürger immer durchgesetzt hätten. Etwa kein Loos-Haus und keine Secession.

Trotzdem, liebe Bürgerinitiativler: Bleibt’s lästig und, um es mit den Worten von Dr. Kurt Ostbahn zu sagen: Losst’s eich nix gfoin!

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