Vea Kaisers Kolumne "Fabelhafte Welt": Nächtliche Entdeckungen
Warum es das Schlafverhalten kleiner Kinder nötig macht, einen Grundkurs in Wareneingangskontrolle zu belegen
Gut, dass noch etwas Zeit bis zur Badesaison ist. Denn die Hinterseite meines Gatten sieht aus, als würde ihm zu Hause großes Leid angetan: blau-grün-rote Flecken, tiefe Kratzer.
Der Dottore Amore lässt sich nach langen Arbeitstagen gern mit Wucht ins Bett fallen. Unser Zweitgeborener jedoch schläft am besten, wenn er alles, was ihm lieb und teuer ist, in seiner Nähe weiß. Krabbelt er in unser Bett, nimmt er seine Wertgegenstände mit. Das tut sein großer Bruder auch, nur sind dessen Bettgefährten Kuscheltiere. Bambino II hingegen scheint sich für die Reinkarnation von Bob dem Baumeister zu halten, der im Nebenberuf einen Fuhrpark betreibt.
Eine repräsentative Auswahl der Gegenstände, die ich zuletzt in Matratzenritzen, unter Polstern und Bettdecken gefunden habe: ein Zollstock, zwei Kombizangen, acht Plastikautos, die bei Berührung Musik spielen, ein ellenlanges Müllauto aus Metall mit besonders scharfen Kanten, zwanzig Matchboxautos, ein Set Bits, ein Spielzeug-Akkuschrauber, der erstaunlich kräftig schrauben kann, vor allem, wenn man sich draufsetzt. Ich würde mich nie irgendwohin fallen lassen, ohne vorherige Untergrundüberprüfung.
Dass mein Mann trotz all der Beulen noch immer nicht die Bettdecke lüpft, zeigt ein Grundvertrauen in die Welt, das mir fehlt. Weswegen ich wahrscheinlich nachts unstet herumrolle, während mein Mann den bewegungslosen Schlaf der Gerechten schläft. Er wacht nicht einmal auf, wenn mich singende Autos mit „Tutut, ich bin ein schnelles Cabrio und flitze laut herum“ aufschrecken lassen. Schlaflos bleibe ich zurück mit der Vermutung, dass unser Bett kein Möbelstück ist. Sondern ein Logistikzentrum für Kleinteile – mit mir als verbesserungsfähiger Wareneingangskontrolle.
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