Kolumnen
02/11/2021

Unfehlbar

Können Politiker Fehler eingestehen? Und, wenn ja, will man das in Österreich überhaupt?

von Birgit Braunrath

Leser R. P. mailte gestern früh: "Warum können Politiker(innen) nicht zugeben, dass sie Sch... gemacht haben?" Mit "Sch…" dürfte Herr P. wohl "Schnitzer" (Umgangssprache für Fehler) gemeint haben.

Nur wenige Stunden später gab die EU-Kommissionspräsidentin vor dem EU-Parlament Sch… zu – einerseits bei der Impfstoffbeschaffung und andererseits mit der Idee der Impfstoff-Exportkontrollen. Die Kommissionschefin sagte sogar laut und deutlich den Satz: "Das bedaure ich tief." (Ob Herr P. auch ihr gestern früh seine Frage gemailt hatte, entzieht sich der Kenntnis der Redaktion.)

In Österreich klingen Schuldeingeständnisse ja meist ganz anders: "Vorverurteilung durch den politischen Gegner!", "Mediale Hetzkampagne!", "Nie dagewesene Untergriffe!". Auf gut Deutsch: "Alle anderen sind schuld, ich bin das Opfer."

Der Gesundheitsminister versuchte es einige Male mit Aussagen, wie: "Ja, da sind Fehler passiert" oder "Das ist schlechte Arbeit gewesen, das darf nicht passieren". Das kam aber nicht allzu gut an. Denn die Österreicher wollen Politiker, die Fehler eingestehen können, dies aber nicht tun, weil sie unfehlbar sind.

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