Kolumnen
09/19/2021

"ÜberLeben": Niemals niemandem nichts Schlechtes nicht

Die österreichische Lust an der doppelten Verneinung.

von Guido Tartarotti

Unser Leser Rainer S. hat etwas Wunderschönes im Internet gefunden: Einen Artikel von orf.at, wonach ein Supermarkt „die Onlinezustellung von Lebensmitteln prüft“. Wir wissen nicht, wie die Prüfung ausgegangen ist, sind aber hoffnungsfroh, schon bald per Mausklick einen halben Liter Milch, eine Kalbsparisersemmel mit Gurkerl und eine Tafel Schokolade kaufen zu können – und eine Sekunde später springt ein Supermarktmitarbeiter aus dem Laptop und überreicht uns die Ware. Andererseits: Dann müssten wir nie wieder „Zweite Kassa!“ rufen, und damit wäre der halbe Spaß beim Einkaufen weg.

Die Forderung nach der zweiten Kassa gehört zum österreichischen Lebensgefühl wie die doppelte Verneinung. Leser Alexander S. hat einmal bei einem Begräbnis den großartigen Satz gehört: „Er hat niamals neamd nix Schlechts net g’wünscht.“  Das ist sogar eine vierfache Verneinung, und man braucht schon mathematische Fähigkeiten, um zu errechnen, was wirklich gemeint ist. Aber das macht ja unsere Sprache aus: Wir haben es niemals nicht so gemeint, aber auch nicht anders nicht.

Christian P. fand auch etwas Wunderschönes: Nämlich das Hinweisschild „Baden im Elektroboot verboten“ (im Tretboot dürfte zumindest das Wassertreten gestattet sein). Thomas N. sah auf einer Wiese das Schild „Privatgrund! Betreten mit Pferden in jeder Form verboten!“ (hier darf man auch mit Leberkässemmel nicht hinein). Und Ingrid B. entdeckte in einem Wald das Schild: „Hunde an die Leine! Gilt auch für Radfahrer“ (und erst recht für Rad fahrende Hunde).

Ludwid N. machte Urlaub in Kroatien und äußerte die Sorge, Fußball ohne deutschsprachigen Kommentar sehen zu müssen. Darauf sein kleiner Sohn: „Papa, dann nehmen wir halt unseren Fernseher mit.“

 

 

Guido Tartarottis neues Kabarettprogramm „Guitar Solo“: 18. 9. Babü, Wolkersdorf. 21. 9.: Stadtgalerie Mödling (Vorpremieren). 23. 9.: Kulisse (Premiere).
 

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