Langsam lichtet sich der Qualm
Heute ist Weltnichtrauchertag und den kann man schon dazu nutzen, wieder einmal zu betonen: Rauchen ist die ungesündeste schlechte Angewohnheit, die man sich eintreten kann. Rauchen ist eine Todesursache. Rauchen belästigt andere und schädigt auch deren Gesundheit. Rauchen ist grindig, sowohl als Stummel als auch als gelblich-klebrige Vergilbtheit. Rauchen macht Menschen früher oder später hässlich.
Sage ich als Raucher.
Ja, das deutet auf eine gewisse Zerrissenheit hin. Die nicht nur ich spüre, wie mir scheint: Während früher Raucher das Rauchen noch schönzureden versuchten, hört man von ihnen heute öfter „Ich würde es mir eh gerne abgewöhnen“. Sublogische Argumente wie „Mein Onkel hat auch bis 95 geraucht“ hört man kaum mehr, wahrscheinlich haben einfach schon zu viele einen lieben Menschen an diese saudumme Sucht verloren.
Die Zerrissenheit, das alles so zu sehen und doch noch immer zu rauchen, wird schlimmer. Was mich selbst – neben meinen Kindern – am meisten dazu animiert, es endlich doch bleiben zu lassen, sind Reisen. Man glaubt ja nicht, was auf der Welt punkto Tschickkonsum los ist. Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind die letzten Deppen, die noch so viel rauchen.
Als ich etwa vor einigen Jahren in Ghana war, war es nahezu unmöglich, an Rauchbares zu kommen. Eine halbe Stunde wanderte ich von Geschäft zu Geschäft, die immer gleiche Frage „Do you sell cigarettes?“ und das immer gleiche verstörte Kopfschütteln machten mir klarer, wie suchtzwänglerisch ich daherkomme. Irgendwann griff einer in die unterste Schublade und verkaufte mir einzeln drei Stück. Dazu lieferte er die Erklärung: In Ghana rauche niemand mehr wirklich, nur die „schlimmen Jungs“ und die Touristen. Tatsächlich zwingen einen in vielen Ländern Afrikas die mitleidigen bis grantigen Blicke dazu, nicht mehr auf der offenen Straße, sondern nur mehr hinter dem Hauseck zu rauchen. Die extrem junge Gesellschaft, das große Fitnessbewusstsein, in vielen Ländern auch die Armut – das alles hat Tabakkonsum zu einem Paradoxon werden lassen.
Ähnliches erlebte ich in Südostasien und sogar im machoid vielrauchenden Südamerika. Die Menschen sind vielleicht gescheiter geworden. Alles in allem fühlt man sich als Raucher nicht mehr richtig aufgehoben auf der Welt, wenn man so im Glaskobel auf einem Flughafen steht, wenn Menschen sich irritiert zeigen, sobald man eine anzündet, wenn man wie ich jüngst in London vierundzwanzig Pfund für die Packung zahlt (Sie wollen nicht wissen, wie viel das in Euro ist).
Und die Nichtraucher haben recht.
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