Der Heiligste Geist wohnt am Wolfgangsee

Wo man auf einer Wanderung von St. Gilgen nach St. Wolfgang den vielleicht schönsten christlichen Ort Österreichs (der Welt?) findet.
Axel Halbhuber
Beautiful aerial view of the popular village of Sankt Wolfgang im Salzkammergut. Alpine mountains, church and Wolfgangsee. Upper Austria, Salzburg.

Ich mag Ostern in allerlei Hinsicht. Die Ostergeschichte – konkret: die Geschichte der letzten Woche von Jesu irdischem Leben – halte ich nicht nur für eine der besten Storys, die je geschrieben wurden, sondern auch für eine der schönsten Religionsbotschaften: Es geht um den Glauben an etwas, das man nicht mit bloßen Auge sehen kann. Dadurch erst konnte aus dem Personenkult um eine physische Figur eine Gemeinschaft werden, die ohne Beleg daran glaubt, für etwas Besseres einzustehen. Das ist zutiefst menschlich, das Wichtigste können wir gar nicht erklären oder gar beweisen: Warum liebe ich dich? Warum bin ich zuversichtlich? Warum habe ich Angst? Man sieht eben doch nur mit dem Herzen gut, da hatte er schon recht, der Kleine Prinz.

Auch gefällt mir Ostern so, weil es meistens mit dem Frühling einhergeht. Sich wieder auf das Fahrrad zu schwingen, den Kaffee wieder auf der Terrasse trinken zu können, undundund, in gewisser Weise versöhnt uns der Frühling wieder mit der Welt außerhalb unserer Couchlandschaft, und Versöhnliches ist auch immer gut.

Womit ich bei Leser Helmut Z. bin. Nachdem ich vor ein paar Wochen meine liebsten sakralen Orte, an denen mich „der Heilige Geist gepackt hat“, zum Thema dieser Zeilen gemacht hatte, waren nicht alle mit meiner Liste einverstanden. Helmut Z. schrieb mir (sehr freundlich): „Der wirkliche Heilige Geist ist ja ein christlicher – der hat Sie offenbar nicht gepackt.“

Darüber könnte man nun in eine wilde Debatte eintauchen, was ist schon der wirkliche Heilige Geist, aber ich verstehe Leser Z., rein nomenklativ gibt es natürlich nur den einen, die anderen heißen anders, das ist ja mit Gott auch so, aber ersparen wir uns bitte die Diskussion, ob Gott, Allah, Jhwh, Zeus, Manitu und all die bunten Hindu-Heiligen unterschiedliche Spielarten einer Personalunion sind, oder doch anders, außerdem ist „Heilige“ bei Hindugottheiten sicher auch falsch, ich rede mich hier um Kopf und Geist.

Passender scheint mir, Ostern und Leser Z. zuliebe, meinen liebsten christlichen Ort zu nennen, an dem mich jedes Jahr der allerechteste Heilige Geist streift: Wandert man – auf den Spuren des Heiligen Wolfgangs – von St. Gilgen nach St. Wolfgang, passiert man das am Fels klebende Falkensteinkirchlein. Man darf dort sogar die Glocke läuten und kann in Felsennischen kraxeln. Ich flüchtete mich in das reduzierte Kirchenschifflein schon vor der Hitze, dem Regen oder nur den schmerzenden Wanderfüßen. Immer war die Stille faszinierend.

An zweiter Stelle folgen bei mir armenische Klöster und Kirchen. Aber über die hören Sie auf im aktuellen Reisepodcast. Frohen Ostersonntag!

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