Applaus, Selfies – und dann dieser eine Kommentar
Heute habe ich Solokabarett gespielt. Anlässlich des Weltfrauentages mit genau diesem Themenschwerpunkt. Nach der Show habe ich mich unters Volk gemischt.
Einige wohlwollende Frauen wollten ein Selfie, und ein entzückendes Mädchen mit kognitiver Beeinträchtigung kam strahlend auf mich zu und wünschte sich ein Foto, wo nur wir zwei – und nicht Papa und Mama auch noch – drauf sind. Ich plauderte lange nonverbal mit ihr.
Diese Minuten werde ich nie vergessen. Die Frau des Veranstalters überreichte mir eine selber gebackene Mehlspeise, und die Dame, die Getränke ausschenkte, wollte mich schon in der Pause mit einem kleinen Bier versorgen, nach der Vorstellung hatte ich gleich zwei Fläschchen auf einen Sitz in der Hand. Ein Mann sagte auch etwas zu mir. Nämlich folgenden Satz: „Ich schau’ Ihnen so gern beim Schmusen zu.“
„Was hast grad g’sagt, Schatzi?“
Im selben Moment kam seine Frau mit Mänteln am Arm dazu und fragte nichts ahnend: „Was hast grad g’sagt, Schatzi?“ Wenn nicht mein Techniker mit einem „I warad dann startklar, foahr ma?“ die peinliche Stille überbrückt hätte, wäre ich glatt auf mich selbst angewiesen gewesen, und recht viel mehr als ein schweigendes Sich-am-Absatz-Umdrehen wäre mir wohl nicht eingefallen.
Dann habe ich erst Muße und Platz in meinem Schädel gefunden, darüber nachzudenken, was genau denn der Herr gemeint haben könnte. Ach ja, das, was schon mehrere begeisterte Zuseher/innen bei Soko Linz hervorgehoben haben: Die privaten Nebenstränge meiner Figur der Kommissarin Biggi Obergschwendter erwecken mehr Interesse als jeglicher Mordfall. Dass also in der ersten Folge der vergangenen Staffel eine Schmuserei zwischen mir und meinem Chef – das anbei für diejenigen, die nicht in die Mattscheibe schauen – stattgefunden hat, erwähnen tendenziell sehr viele.
Factum est.
Epstein, schau runter, falls du tot bist
Ich bin sehr froh, dass mir im Laufe meiner Karriere nie etwas (für mein Empfinden) richtig Unangenehmes widerfahren ist. Ich will mich jetzt auch gar nicht zu sehr auf dieses Thema draufsetzen. Aber gerade bei einem Auftritt, bei dem es um eine Bewusstseinsschärfung in eine bestimmte Richtung gehen soll, fällt es halt verstärkt auf, was alles aus den mitteilungsbedürftigen Mäulern so rauspurzelt.
Unterm Strich war es ein fulminanter Kabarettabend, und ich versuche, einen Satz einer weiteren Zuschauerin in den Vordergrund zu rücken, die da mit leuchtenden Augen zu mir sagte: „Angelika, du sprichst in deinem Programm darüber, was uns Menschen glücklich macht. Mich und meine Freundin macht gerade sehr glücklich, dich heute Abend gesehen zu haben.“
Eine Träne der Dankbarkeit kullert bei mir.
Ich beschließe, morgen keine Nachrichten zu lesen und die schönen Momente des heutigen Abends nachwirken zu lassen. Die Welt ist so absurd derzeit, ich lechze nach Positivem.
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