Kolumnen
10/25/2020

Sprachinfekt

"Maske" ist nicht länger ein Faschings- oder Kosmetikartikel, "positiv" nicht mehr gut. Geschichte einer Sprachverschiebung.

von Birgit Braunrath

Mit der Zeit bohrt es sich tief ins Sprachzentrum, das Virus (jeder weiß welches). Früher gab es mehrere sprachlich gleichberechtigte Viren, jetzt müssen alle anderen Viren Vornamen tragen, um keinen Quarantänebescheid zu riskieren, also Schnupfenvirus, Darmvirus, Grippevirus… Apropos tief bohren. Sagt heute jemand: „Ich mach’ einen Test“ erscheint vor dem geistigen Auge weder Seh-, noch Hörtest und auch keine Wissensüberprüfung, sondern automatisch das Bild zweier Menschen, von denen einer dem anderen mit einem Stäbchen heftig in der Nase bohrt.

Früher bedeutete „Wir haben vier Fälle“ Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ, heute heißt es, dass jemand vier Infizierte (jeder weiß womit) in seinen Reihen hat.

„Hier die aktuellen Zahlen“ war einst die Ankündigung einer Wahlhochrechnung, heute denkt man an Neuinfektionen. Den Begriff Kontaktperson kannte man aus Agentenfilmen. Maske war etwas, das man nur zum Spaß aufsetzte oder der Schönheit der Haut dienen sollte. Ein Leugner war jemand, der eine Straftat nicht zugab. Blase war ein Organ. Positiv war gut.

Und? Ist Ihr Hirn auch schon infiziert? Machen Sie doch einfach an sich selbst einen Schnelltest, einen Sprachschnelltest!

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