Polly Adlers Kolumne "Chaos de luxe": "Ich komme nicht, vergiss es!"
Krasse Phantomschmerzen im Off.
Ich komme nicht, vergiss es einfach“, sagte C entschieden, „es ist mir zu fad.“ Ich hatte sie zum Mädchenabend bei mir eingeladen und torkelte seelisch nach dieser doch ziemlich frostigen Ansage. C gehört zum Stock meiner Uralt-Freundinnen und regelmäßig schmettert sie die Parole: „Wir sind zu alt für neue Freundschaften.“
In vielen Feuerproben des Lebens hatte sie sich als ultraloyal erwiesen. Es entspann sich ein langes Gespräch, in dem ich versuchte, sie umzustimmen. Aber auf Tiroler Granit wächst keine Kompromissbereitschaft. Sie verweigert auch das Smartphone und arbeitet mit einem Nokia aus der Eiszeit. Wobei wir auch schon beim Hintergrund ihrer Rebellion sind. Bei einem letzten Pulk-Treffen seien achtzig Prozent der Zeit mit dem Austausch oder der Produktion von Fotos (inklusive dem ganzen Bitte-sofort-löschen-ich-schau-aus-wie-ein-chinesischer-Faltenhund-Tralala) vergangen: (Enkel)kinder, Hunde, Urlaubsschmafu, Gute-Laune-Simulation in der Gruppe.
„Kein Mensch hat mir auch nur eine Frage gestellt. Nur Fotovorträge in Begleitung von Monologen. Was wurde eigentlich aus dem guten alten Gespräch?“ Zuerst ärgerte ich mich über sie, dann dachte ich: Sie hat so recht! Wir sind analog erkaltet. Vielleicht haben wir sogar alle verlernt, eine Konversation jenseits des Hohlphrasen-Levels „Wie geht’s? ... Gut schaust du aus! ... Toll, was du da geschrieben hast – nur: worum ging es da genau? ... Abgenommen? Mit oder ohne Spritze?“ zu führen. Wenn kein Smartphone in der Nähe ist, fühlen wir uns wie amputiert. Krasse Phantomschmerzen.
So, Römer und Römerinnen, im Übrigen meine ich, dass diese Unart zerstört gehört. Ab jetzt bei mir: Kein Smartphone bei Tisch. Wer nicht folgt, muss allein in der Küche essen.
Pollys Xmas-Specials am 7. (11 Uhr) & 14. Dezember (20 Uhr) im Rabenhof.
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