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Kolumnen
05/23/2021

Vorhang auf!

Das erste Mal wieder im Restaurant essen, das erste Mal wieder auf einer Bühne. Einerseits sehr vergnüglich, andererseits nix für schlechte Nerven.

Sie

Erstens: Ich habe mich am vergangenen Donnerstagabend akkurat gekampelt, geschnäuzt und geschminkt. Fesch angezogen ebenso. Der Kampel nebenan hatte nix zu kampeln, stattdessen wurde ich gefragt, ob er mein Lieblingshemd anziehen soll. Ich meinte: „Wurscht, Hauptsache, ich muss heute nix kochen.“ Da schlüpfte er ins kleine Schwarze (Hemd), und wir gingen essen. Wobei ich im Lokal beinahe aufgestanden wäre, um den Geschirrspüler einzuräumen und den Herd zu wischen. Erst als der Mann nebenan sagte Prost, auf das Leben! war’s gut.

Wir müssen üben!

Zweitens? Wir spielen endlich wieder. So richtig, nicht nur daheim, wenn wir uns – selten, aber umso epischer – im Burton/Taylor-Stil als Streitkulturschaffende gerierten. Gestern war’s so weit: das erste Mal Bühne nach langer Zeit, herrlich. Am Abend davor war ich aufgeregt wie bei einer Premiere, frei nach Tucholsky – Ich sehe diesem Tag mit einigen vollen Hosen entgegen. Und so winselte ich ein phobisches Bittebitte lass uns noch üben. Obwohl ich weiß, dass dieses Wort bei ihm akutes Reizwürgen auslöst, weil er sich vormacht, stets das Lässige aus dem Ärmel schütteln zu können, wie Zauberer Houdini weiße Tauben. Also tat er auch diesmal, was er immer tut: Er wartete mit seinem Lampenfieber bis zum allerletzten Moment. Aber dann: anschnallen, bitte. Fünf Minuten vor dem Auftritt ging er, wie immer, hinter den Kulissen murmelnd auf und ab, fuchtelte nervlich aufgewühlt herum und fragte mich mittellaut, warum wir Trotteln nicht mehr geübt hätten. Nun war es an mir, Lässiges aus dem Ärmel zu schütteln und einen Trinkspruch zu bemühen: Sei stets vergnügt und niemals sauer, das verlängert deine Lebensdauer. Seine Begeisterung hielt sich in Grenzen – wie gut, dass wir Sekunden später auf der Bühne stehen und lächeln mussten.

Termine: 19. 6., Bettfedernfabrik; 23. 7., Mank; 10. 10., 1. 11., Rabenhof Wien

Email: gabriele.kuhn@kurier.at

Facebook: gabriele.kuhn / facebook.com/GabrieleKuhn60

Er

Erstens: Was meine Frau zu erwähnen vergessen hat, ist der Umstand, dass kein Lockdown der Welt so lange dauern könnte, um sich nicht trotzdem auf besondere Wesensmerkmale verlassen zu können. Und während ich also im akkuraten Wirtshaus-Outfit im Vorzimmer umherspaziert bin und zum Zeitvertreib Bodenfliesen gezählt bzw. Fußballweltmeister chronologisch aufgesagt habe, rief mir gnä Brodelkuhn aus dem Badezimmer zu: Kannst du noch dem Herrn Gustav schnell Fressen geben? Und dann: Wenn du irgendwo mein Handy zufällig findest, würde ich mich freuen. Und schließlich: Kannst du bitte im Lokal anrufen, dass wir uns um zehn Minuten verspäten? Meine Antworten: „Ja klar“. „Ja freilich“. Und: „Geh’, wegen zehn Minuten muss ich nicht anrufen. Könnte es sein, dass es zwanzig Minuten werden?“ Sie: Nein, nein, maximal fünfzehn. Nun, es wurde dann ein klassischer Kompromiss (also 25 Minuten), und wir hatten dennoch ein wunderbares Abendessen.  

Innere Einkehr

Zweitens: Wir kamen rechtzeitig zu unserem ersten Auftritt, weil ich in heimlicher Absprache mit der Agenturchefin den Soundcheck offiziell so weit vorverlegt hatte, dass der Ich-bin’s-gleich-Faktor einkalkuliert war. Statt der Weltmeister (und ihrer Finalgegner) memorierte ich vor der Abreise selbstverständlich den Ablauf und den Text, um dem mittlerweile dritten kuhn’schen Gehen wir noch einmal alles genau durch etwas entgegensetzen zu können. An der Nervosität änderte das nix. Aber während ich vor dem Gang auf die Bühne Stille und innere Einkehr bevorzuge, sucht die Liebste justament den Dialog – ihr Motto: Ablenkung durch Alltag (Hast du eh die Installateur-Rechnung überwiesen?). Das Programm heißt „Schatzi, geht’s noch?“, und ich finde, dass dieser schöne Titel so zeitlos ist wie eine Wimperntusche, die vor dem Weggehen nicht auffindbar ist. Wussten Sie übrigens, dass Haiti 1974 zum ersten und letzten Mal an einer WM-Endrunde teilgenommen hat? Tja, Warten bildet.

Email: michael.hufnagl@kurier.at

Facebook: facebook.com/michael.hufnagl9

 

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