Kolumnen
02.04.2018

So romantisch!

Der Titanic-Faktor: Über das Geheimnis der Hirnforschung und Sätze, die sie hören will.

Sie

Hirnforschung ist was Spannendes und damit verbunden jede neue Erkenntnis, die sich auf "Magnetresonanztomografie" ( MRT) stützt. Wenn es z.B. heißt, dass sich der Konsum von Wurstsemmerln negativ auf die Toleranz für Veganer auswirkt, dann weiß man das, weil das Gehirn von Wurstsemmerlessern mit MRT dabei beobachtet wurde, wie es an Veganer denkt. Ich würde gerne mit MRT ins Hirn des Mannes nebenan schauen. Etwa, wenn er schreibt: Was meine Frau so romantisch nennt, nenne ich meine Hölle.

Am Bug und so

Der stammt aus der Kolumne der Vorwoche, darin outete er sich als Actionfilmheld-Fan. Das stimmt allerdings nur bedingt, es kommt auf die Umstände an. Also würde ich gerne einen MRT-Experten fragen, ob das, was bei ihm da oben mitunter rot flirrt, jene Region ist, die als "neuronales Wahrheitsmanipulationszentrum" bekannt ist. Er würde sicher sagen: So is, gnä Frau. Zurück ins Jahr 1998, als wir einander näher kennen lernten. Im Kino lief "Titanic", er sah ihn in anderer Begleitung, wir waren ja nicht fix zam. Tags darauf kam eine Mail von ihm, in der er die Titanic-Handlung als Gleichnis für unsere knospende Liebe heranzog. Er schloss mit dem Satz Ich möchte mit dir auch auf dem Bug des Schiffes stehen. Heute wird er nicht müde zu betonen, wie unerträglich "Titanic" sei. Aber was tut man nicht alles, um…? Ich werde folglich immer stutzig, wenn er in Damenrunden mit Romantik-Komödien-Know-how brilliert. Da rumple ich verbal gerne mitten in die "Ah & Oh & Wow"-Akklamationen und sorge zügig für Aufklärung. In solchen Momenten wäre ebenfalls interessant, wo genau es im Hufi-Hirn flimmert. Ich vermute mal, es ist das neuronale "Gockelzentrum".

gabriele.kuhn@kurier.at

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Er

Erstaunlich, wie tief das Titanic-Trauma sitzt. Auch nach so vielen Jahren wird meine Frau nicht müde, diese Episode aus dem billigen Handbuch "1000 Anbratideen für böse Buben" zu offenbaren. Aber es stimmt natürlich beides. 1. Der Film ist tatsächlich von einer solchen epischen Qual, dass man gar nicht weiß, wo man mit dem Aufzählen der Unsinnigkeiten beginnen soll. 2. Der Film ist aber trotzdem (oder gerade deshalb) bestens geeignet, den Faktor "sooo romantisch" als Trittbrett für die Hoffnung auf gemeinsame Höhenflüge zu benützen.

In alle Ewigkeit

Wobei sich stets die Frage stellt: Was ist romantisch? Ich z. B. finde Sonnenaufgänge spektakulär, Kaminfeuer wärmend, einsame Strände einsam. Aber ich käme nie auf die Idee, zu frohlocken: "Schau’ Schatz, diese bezaubernde kleine Gasse mit den vielen süßen Geschäften, ist das nicht romantisch?" Gleichzeitig weiß ich: Es gibt im Leben manche Sätze, die eine Frau gerne hört. Und im Eheleben gibt es noch viel mehr davon, wiewohl der Romantik-Aspekt mitunter ein wenig verblasst. Ja, damals schrieb ich der Liebsten, dass ich gerne mit ihr am Bug eines Schiffes stehen würde – und sie hat es gerne gelesen, lächelnd und lustvoll. Heute hingegen mache ich ihr mehr Freude, wenn ich sage "Licht in der Dusche ist repariert", "Mathe-Sprechstunde geh’ ich" oder "Melde: Das Laub ist eliminiert". Aber gelegentlich formuliere ich auch, dass ich mit ihr bis in alle Ewigkeit durch den Sommerregen tanzen will. Das könnte zwar in der realen Umsetzung auf Dauer eine nasskalte Herausforderung werden, aber wir wissen, wie es gemeint ist ... so romantisch wie wir alle sind.

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 9. 5. Langenlois, 29. 5. Baden, 8. 6. Guntramsdorf, 14. 6. Wien (Studio Akzent)

michael.hufnagl@kurier.at

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