Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl

© Jeff Mangione

Kolumnen
08/15/2020

Paaradox: Film ab!

Gedanken zu einem Irrtum von gnä Kuhn – aber auch dazu, wer daran schuld ist: der Actionfilm-Aficionado nebenan, der oft und gerne Goethe zitiert

von Michael Hufnagl, Gabriele Kuhn

Sie Irrtum, und nur einer hat’s bemerkt: „Bondologe“ und Kollege Guido Tartartotti. Er machte mich darauf aufmerksam, dass 007 niemals Nachrichten erhalten hätte, die sich „selbst zerstören“ (so wie vergangene Woche in Sachen „Butter-Drama“ von mir behauptet). Das geschah ausschließlich in der Serie „Mission Impossible“.

Er ist schuld

Ui, tut leid, aber: Der Mann nebenan ist schuld. Ich schaue weder Agenten- noch Actionfilme, und wenn ich abends einen Thriller sehe, kann ich eine Woche lang nicht schlafen. Anders bei ihm. Er liebt’s, wenn Helden mit der Lizenz zum Töten das Böse besiegen und die Welt retten, Motto: Unter fünf Schießereien pro Stunde geht gar nix. Er versteht das als Amuse gueule fürs Schlummern, eine Alternative zu Waldspaziergängen und Gesprächen mit der Ehefrau. Während er schaut, sitze ich ein Zimmer weiter und nehme das Tschinbummkrach wahr – Szenen, Schreie, Säbelrasseln. Irgendwann speichere in meinem Hirn einen Actionfilm-Mix ab, in dem alles durcheinanderkommt: - Die Eltern sind ziemlich nervig. Soll ich sie ausschalten? - Also gut, Plan B: Jeder knallt den anderen ab. - Warum bist du hier? Ich bin hier, um dich zu töten. - Was Sie Hölle nennen, ist sein Zuhause. - Wo zum Teufel waren Sie? Ich habe den Tod genossen. Und in dem Mix bekommt Bond halt Nachrichten, die sich selbst zerstören und Bruce Willis sagt Wenn du dazu gezwungen wirst, ist Töten so einfach wie zu atmen. Das war aber Stallone in „Rambo“. Die Frage, die ich mir nun stelle, ist aber viel bedeutender: Warum hat mich der Actionfilm-Alleswisser nebenan nicht auf meinen Fehler aufmerksam gemacht, als er sich eine Antwort auf meine Kolumne ausdachte? Das herauszufinden, ist meine nächste Mission.

NEUE TERMINE: 8. 10. Stadtgalerie Mödling; 16. 10. Stalltheater Königstetten; 24. 10. Rabenhof; 6.11. Hagenbrunn; 14.11. St. Pölten; 19. 11. Langenlois

gabriele.kuhn / facebook.com/GabrieleKuhn60

 

Er Leser Thomas L. schrieb mir zur vergangenen Kolumne: Es geht nicht nur Ihnen so! Meine Frau schabt auf der Butter herum, als gäbe es kein Morgen. Ich habe es schon probiert mit dem Satz „Du, auch Butter hat Gefühle“. Es nützte leider nichts. Man möge mir glauben, derlei Solidarität tut gut. Ich leite solche Nachrichten gerne an gnä Kuhn weiter, mit dem Betreff: „Nimm das! Du bist als Frevlerin nicht allein!“ Solche Zurechtweisungen lässt sie dann absichtlich ein paar Stunden abliegen, um mir irgendwann en passant zu antworten: „Wollt’s nicht eine Selbsthilfegruppe gründen?“
Phänomene erforschenWas gar keine schlechte Idee wäre. Der Gedanke, dass ich mit anderen Männern im Kreis sitze (selbstverständlich lässig in Sofas lehnend und nicht auf Polstern am Boden hockend), besitzt einen gewissen Charme. Der Kurstitel könnte lauten: Warum sich Mann und Frau so schlecht vertragen? Du kommst, mein Freund, hierüber nie ins Reine. Dann würden wir einander alle bestätigen, was Goethe uns als Wortschatz geschenkt hat. Und vielleicht könnten wir gemeinsam manche Phänomene begreifbar machen. Warum die Liebste es z. B. immer persönlich nimmt, wenn ich mein Kaffeehäferl beim Computer stehen lasse – in einem Ausmaß, als hätte ich ihr geliebtes Kräuterbeet in ein Tipp-Kick-Feld umfunktioniert. Warum sie die vielen Alltagsangelegenheiten, die ich kommentarlos erledige, in Summe niemals für so erwähnenswert erachtet wie den Umstand, dass ich wieder einmal auf das Allerallerallerwichtigste (wie Batterien entsorgen oder Zahnpastatube zuschrauben) vergessen habe. Warum sie in jeder Lebenslage besser als ich selbst weiß, was ich fühle, nur weil sie vor Jahren dieses  Buch gelesen hat, das „Einmal Seele und zurück“ oder so ähnlich heißt. Für die übrigen 389 Fragen fehlt hier leider der Platz. Für ein zweites Goethe-Zitat aber nicht: Und wenn ich dich lieb habe, was geht’s Dich an?    

michael.hufnagl / facebook.com/michael.hufnagl9

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