© Jeff Mangione

Kolumnen
01/20/2019

Paaradox: Das große Zappeln

Lampenfieber. Je näher die Premiere, desto sichtbarer die ehelichen Tücken.

von Gabriele Kuhn, Michael Hufnagl

SIE

Nur noch drei Tage bis zur Premiere unseres neuen Programms „Schatzi, geht’s noch?“. Ich bin ein bisserl nervös. Der Mann nebenan setzt  hingegen nach wie vor sein lässigstes Lächeln auf und erzählt mir  eine langatmige Lügengeschichte darüber, wie cool und megaentspannt er sich diesmal  fühle. Dann  schließt er mit einem faszinierenden Satz: Tief in mir drin bin ich irgendwie ein Zen-Mönch.

Für die Fisch´

Der Blick auf den Schreibtischs meines Zen-Mönchs lässt allerdings anderes vermuten: 57 verschiedene Zetteln in 57 verschiedenen Farben mit  wirren Notizen und eigenartigen Gag-Ideen zum neuen Programm, etwa: Überlegen, ob ich im ersten Teil im FC-Barcelona-Dress auftreten soll. Oder: Gaby sagen, dass wir auf jeden Fall ohne komische Accessoires wie Teelichter arbeiten. Die Papierl’n sind definitiv für die Fisch´.

Unlängst habe ich ihn zufällig bei einem Telefongespräch belauscht, bei dem er leise ins Handy raunzte: Ich träume  jede Nacht, dass ich meine Texte nicht finde oder dass ich zu spät ins Theater komme, weil gnä Kuhn wieder einmal nicht weiß, was sie anziehen soll.  

Ehrlich? Mich wundert das nicht. Denn während ich mein Leseprogramm schon seit Wochen in einem Mäppchen fertig mit mir herumtrage, denkt er offenbar noch darüber nach, ob er seine Texte allenfalls von Hand schreiben soll, um sie sich so besser zu merken. Auch über den einen oder anderen Szenen-Übergang sind wir  nach wie vor uneins.

Warum? Weil ich eine Idee habe,  er  keine, aber meine nicht mag. Also sagt er: Machen wir morgen weiter. Dann flüstere ich in mich hinein: Alles wird gut. Alles wird gut. Alles wird gut. Und atme wie Michael, mein Zen-Mönch.

Paaradox NEU: 22. 2.,   Danubium; 1. + 2. 3., Wilheringerhof; 12. 3. Schwechat, Felmayerscheune; 18. 3. Rabenhof

paaradox.at

eMail: gabriele.kuhn@kurier.at
Facebook: facebook.com/GabrieleKuhn60

 

ER

Klar bin ich angespannt. Und wie. Allerdings macht mich im Hinblick auf unsere nahe Premiere kein Text, kein Einstieg, kein Übergang, kein Stand-Up, kein Bühnenarrangement und erst recht kein  böser Traum auch nur annähernd so nervös wie die Zappeligkeit von gnä Kuhn. Die gute Frau war nämlich ihrem Ruckizucki-Hoppihopp-Charakter  folgend bereits zu Weihnachten  startklar für den Auftritt. Was ich ihr von Herzen gönne.

Das Problem ist nur: Sie hätte so wahnsinnig gerne gehabt, dass ich es auch gewesen wäre. Und das noch größere Problem: Sie sagt mir das seit damals nahezu stündlich. Mein Alltag besteht daher zur Zeit aus ihrem „Hast du schon ...?“ und „Solltest du nicht ...“ und „Es wäre gut, wenn ...“,  und ich habe immer nur den Gedanken: Schatzi, bitte wie lange kennst du mich jetzt?

Wachsende Unruhe

Mein stets fröhliches Credo  „Am Ende ist es sich noch immer irgendwie ausgegangen“ versetzt die Liebste  aber auch nach so vielen Jahren des Miteinanders in einen hypersensiblen Belehrungsmodus, was vor allem am Reizwort „irgendwie“ liegt. Das mag mein fleißiges Akribienchen gar nicht.

Daher habe ich in  der Phase wachsender Unruhe zwei Optionen. Entweder ich steige in die eheliche Panik-Inszenierung ein und prophezeie täglich flackernden Blick s „Verdammt, das wird nix!“. Oder ich offenbare meiner wahren  Verfassung zum Trotz  Gelassenheit und schenke meiner Frau Buddhas Weisheit: „Wer liebt, vollbringt selbst Unmögliches.“ Dann füge ich hinzu: „Vielleicht sollten wir das Programm überhaupt völlig neu gestalten.“ Nur um ihr entgeistertes Gesicht zu sehen. Ein bisserl Adrenalin hat ja noch nie geschadet.   

Solo „Abend mit einem Mannsbild“: 25. 1. Puchkirchen, 18. 2. Wien (Studio Akzent)

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