Wachstumsschmerz
Das Leben ist voller unabgeschlossener Dinge. Wer hat sie nicht, diese eine nackte Glühbirne, die immer noch geduldig auf Kronleuchter-Ersatz wartet? Sogar Wien selbst hat so einen „russischen Luster“, also quasi metaphorisch. Und zwar seit 1511. Meint zumindest der Künstler Zino Weinstein. Er macht sich stark dafür, dass dieses vernachlässigte Provisorium behoben wird. Der Nordturm des Stephansdoms soll wachsen.
Es heißt, der Bau wurde im frühen 16. Jahrhundert wegen Geldmangels und Kriegen eingestellt. War alles nur eine faule Ausrede? Und die Dombaumeister hatten schlicht keinen Bock mehr auf Sandstein? Fünf Jahrhunderte später steht er immer noch provokant asymmetrisch da, der Dom. Aber jetzt kann man ihn auch nicht mehr einfach so hochbauen. Vielleicht kann ihm Künstler Erwin Wurm ein Gurkerl aufsetzen? Oder ein Salzstangerl? Das wird fraglos alles im Chaos enden, daher wäre die einfachste Variante zum Höhenausgleich: den Südturm abtragen.
Aber nicht so bald: Weinsteins Petition hat nur 21 Unterschriften.
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