Grüß’ Sie

Sind die Menschen heute alle Interaktionsallergiker?
Barbara Beer

Barbara Beer

In der losen Reihe über die vom Aussterben bedrohten Kulturtechniken widmen wir uns heute dem Thema Grüßen. Auf die Gefahr hin, wieder einmal wie unsere eigene Oma zu klingen.

Grüßen ist, neben den Höflichkeitsformeln „Bitte“ und „Danke“, eine an sich gut eingebürgerte und noch dazu effiziente Gepflogenheit. Kost nix’ und kann viel. Etwa, anderen ein Lächeln abringen.

Früher beherrschten schon Kleinkinder diese Technik. Auch Menschen, die man nicht kannte, grüßte man im Aufzug, im Büro und unter bestimmten Umständen auch im Freien, etwa im Wald.

Heute herrscht, apropos, Schweigen im Wald. Im Großraumbüro, im Aufzug, im Stiegenhaus. Gegrüßt wird immer seltener. Ist das Handy schuld? Sind die Menschen heute alle Interaktionsallergiker? Wir plädieren: Ignorieren Sie die Grußignoranz. Grüßen Sie, lächeln Sie, sagen Sie „Guten Morgen“, „Grüß’ Sie“ oder meinetwegen das früher verpönte „Hallo“ (das ist praktisch, wenn man vergessen hat, ob man mit jemandem per Sie oder per Du ist).

Warum? Wie gesagt: Es kost nix’ und kann viel.

Kommentare