Ein Lebenstraum(a)

Und schon wieder: Oma schau oba!
Barbara Beer

Barbara Beer

In jedem Leben gibt es etwas, von dem man lange träumt und es nie umsetzt.

Aus Geldmangel (oft). Aus Feigheit (noch öfter). Weil einen jemand anderer daran hindert (manchmal). Weil man sich erfolgreich einredet, dass einen andere daran hindern (meistens).

Dieser Lebenstraum kann groß sein. Endlich die Weltreise machen. Endlich den faden Bürojob aufgeben und was Kreatives machen. Endlich dem Walter aus der 3 B, den man vor vierzig Jahren schon blöd fand, die Meinung sagen (oder ihm sagen, dass man heute noch an ihn denkt).

Der Lebenstraum kann aber auch verhältnismäßig überschaubar sein. Im Falle Ihrer Kolumnistin: Endlich einem Mitmenschen in der U-Bahn sagen, er möge die Füße vom Sitz gegenüber nehmen (schon wieder: Oma schau oba!). Jahrelang haben wir darüber nachgedacht. Waren aber zu feig und wollten außerdem nicht als alte Besserwisserin gelten. Letzteres ist aber jetzt auch schon wurscht.

Vorgestern haben wir’s gewagt. Ohne keppeln. Freundlich. Wir leben noch, der andere auch.