Kolumnen
13.05.2018

Nicht mehr allein Männersache

"Tagebuch": Inzwischen stellen Frauen auch bei Klubs ihren Mann – auch in Österreich.

Als sich die Schwester des aktuellen Rallye-Dakar-Siegers Matthias Walkner mit Skiern in den Iran wagte, staunte sie nicht nur über das passable Brettl-Niveau. Beim Après-Ski wurde gefeiert, als gebe es auf persischen Almen ka Sünd. Männer und Frauen (mit offenem Haar) tanzten dermaßen ausgelassen, dass sich die Hüttenbalken bogen.

1500 Meter Höhenmeter tiefer wurden Eva Walkner und ihre österreichischen Begleiterinnen von Religionswächtern auf die Polizeistube geschleppt. Dort wollte man mit der Ski-Freeride-Weltmeisterin Schlitten fahren. Ihr Vergehen: Sie hatte beim Tanken des Leihautos kein Kopftuch getragen.

Ein paar Monate später war ich bei einer Pressekonferenz in Doha Augen- und Ohrenzeuge, wie eine ganz in Schwarz gehüllte (aber nicht vollverschleierte) Frau versprach, dass Katar weiblichen Wesen einen Stadionbesuch keineswegs verbieten werde, wenn Katar die WM zugesprochen wird. Die beeindruckende Dame wurde als führendes Mitglied des Bewerbungskomitees vorgestellt.

Inzwischen steht längst fest: Der gasreiche Kleinstaat wird, obwohl nicht größer als Niederösterreich, in vier Jahren WM-Schauplatz sein.

Inzwischen hat der Nachfolger des gefeuerten FIFA-Präsident Sepp Blatter, Gianni Infantino, eine Afrikanerin zur Generalsekretärin gemacht.

Und inzwischen stellen Frauen auch bei Klubs ihren Mann – auch in Österreich. In Wattens wurde es dank Präsidentin Diana Langes-Swarovski, die mit Juventus kooperiert, wieder schick, zum Fußball zu gehen. In Wiener Neustadt marschiert Präsidentin Katja Putzenlechner vor dem Anpfiff gern bis zum Mittelkreis mit ein. Und in Hartberg wird Präsidentin Brigitte Annerl demnächst erfahren, ob ihr Verein doch die Lizenz für einen möglichen Aufstieg in die höchste Spielklasse erhält.

Im TV-Bereich drängen die Frauen besonders ins Rampenlicht. Hatten junge Damen südeuropäischen Sendern anfangs bei Fußball-Talkshows nur als optischer Aufputz gedient, so fallen sie jetzt mit den Mikro als hartnäckig fragende Reporterinnen auf. Nur der Analytiker-Job bleibt Männersache.

Der deutsche Rekordinternationale Lothar Matthäus (150 Länderspiele) kommentiert als Honorar-Kritiker ungeniert deutlich den Abstiegskampf. Der ÖFB-Rekordinternationale Andreas Herzog (103 Länderspiele) wird heute sein Fachurteil über Rapid – Salzburg fällen. Beide reden für Sky. Aber das ist auch schon die einzige Parallele.

Während Herzog, 49, einen Betreuerjob anstrebt, will Matthäus, 57, nie mehr Trainer sein. Sondern in Budapest auf seinen vierjährigen Sohn aufpassen, wenn dessen russische Mutter in Moskau modelt.

Trotz Matthäus’ fachlicher Kompetenz scheuten deutsche Klubs vor einem Engagement zurück, weil man fürchtete, mehr in Klatschspalten als auf Sportseiten präsent zu sein.

Der Ex-Weltmeister hatte mit fünf Frauen aus fünf verschiedenen Ländern Hochzeiten gewagt. wolfgang.winheim