Kolumnen
11/16/2019

Manchmal reicht ein Eisbär aus Stoff, und alles ist gut

"ÜberLeben": Beim Ikea entscheiden sich die Schicksale.

von Guido Tartarotti

Beim Ikea entscheiden sich ja die Schicksale.

Wenn sie zum Beispiel zwischen Sessel Poäng,  Kommode Leksvik und Klobürste Viren (gibt es leider nicht mehr) zur  erbarmungslosen Jägerin wird, um Teelichter (Vinterfest), Duftkerzen (Sinnlig) und Blockkerzen (Blomdoft) zu erlegen. Und um dann ihrerseits dem Charme von Tischläufer Uttlägga oder Tischdecke Fullkomlig zu erliegen, im Vorbeigehen noch Badetuch Hären, Vase Begärlig und Dekoschale Glittrig an sich zu raffen und bei Blumenständer (klingt fast ein wenig urologisch) Kryddpeppar endgültig Fassung, Verstand und Kontrolle über Konto und Family-Card zu verlieren.

Und wenn er gleichzeitig versucht, hinter Kleiderständer Mulig in Deckung zu gehen,  sich als Schirmständer Antenner zu tarnen, sich in Fußmatte Trampa einzuwickeln – oder gleich im Restaurant durch eine Überdosis Grönsaksbullar (mit Currysauce) und Pannkakor an der Entleibung zu arbeiten.

Junge Paare, die etwas über die Halbwertszeit und die Sollbruchstellen ihrer Liebe erfahren wollen, werden ja traditionell probeweise zu Ikea geschickt. Danach sind sie entweder getrennt – oder reif für  Ehe und Fortpflanzung.

Unlängst war ich wieder einmal bei Ikea, um zu beobachten, wie aus Menschen Leute werden, und um meiner gottgewollten Rolle als männlicher Teelichtsackerlträger nachzukommen, als ich in der Kassaschlange eine sehr alte Frau sah. Sie saß in einem Rollstuhl, lächelte mich aus fast blinden Augen an und streichelte liebevoll das Geschenk, das sie gerade bekommen hatte: Einen Stoffeisbären (Snuttig). Dabei sah sie, obwohl das Leben sie müde gemacht hatte, so vollendet glücklich aus, dass ich sie für einen Augenblick fast beneidete.

Am Beginn und am Ende des Lebens braucht es manchmal so wenig, um zufrieden zu sein. Da reicht auch ein Eisbär aus Stoff, und alles ist gut.