Klaus Eckel hat ein Donald-Burn-out

Donald Trump spricht mit geöffnetem Mund und trägt einen dunklen Anzug mit Krawatte.
Sobald man sich mehr mit dem amerikanischen Präsidenten als mit den eigenen Kindern beschäftigt, sollte man sich Trump-Detox verordnen.
Klaus Eckel

Klaus Eckel

Ich habe beschlossen, dass Donald Trump von mir keine Aufmerksamkeit mehr bekommt. Ich vermute, es wird ihn erschüttern. Eine Ausnahme würde ich machen: Falls er Anfang nächsten Jahres an meiner Haustür läutet – gemeinsam mit Marco Rubio und J. D. Vance, verkleidet als Sternsinger. Die drei scheinheiligen Könige. Welche Gaben sie mir wohl mitbringen werden? Ein Fläschchen Öl aus Venezuela, eine kleine Eisskulptur aus Grönland und aus Washington eine Selbstbräunungscreme.

Damit ziehe ich meiner Fantasie wieder den Stecker. Mein Gehirn hat mir nämlich Trump-Detox verordnet, da die Gefahr besteht, dass ich mich mit dem amerikanischen Präsidenten mehr beschäftige als mit meinen eigenen Kindern. Täglich wird weltweit in Tausenden Artikeln seine Psyche ausgeleuchtet. Viele vermuten den Grund seiner Verhaltensauffälligkeit in seiner Kindheit: „Wurde der vierjährige Donald beim Versteckspielen nie gesucht und muss jetzt deswegen ständig ‚Hier bin ich!‘ schreien?“ „Hat der siebenjährige Donald, wenn er bei ‚Mensch ärgere dich nicht‘ verloren hat, das Brettspiel verklagt?“ „Hat der achtjährige Donald bei ‚Reise nach Jerusalem‘ einfach einen neuen Sessel bestellt, sobald ein Stuhl fehlte?“ Unzählige Journalisten und Psychiater versuchen, in jede seiner Gehirnwindungen einzudringen. Vielleicht sollte man zuvor noch einige europäische Politiker aus seinem Rektum herausziehen, sonst kollabiert uns der Mann noch.

Meinen Beachtungs-Scheinwerfer richte ich ab sofort nicht mehr in sein Gesicht. Unsere Aufmerksamkeit ist ein kostbares Gut. Jeder will sie haben: Partner, Kinder, Politiker, der Foodblog-Influencer, die Lutz-Familie, das virale Katzenvideo, die Tante aus der WhatsApp-Familiengruppe, die Pushnachricht der Fitness-App und sogar unsere Verdauung. Und wenn Sie vor der Wahl stehen, wem Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken – dem amerikanischen Präsidenten oder Ihrer Darmflora, dann hoffe ich, Sie wissen, was für Ihr Leben wichtiger ist.

Klaus Eckel ist Kabarettist und Buchautor.

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