Klaus Eckel macht den "Dry January" erst im Februar

Martini Glass
Der Februar hat nur 28 Tage. Damit wird er für temporäre Asketen wie Klaus Eckel zum sympathischsten Monat des Jahres.
Klaus Eckel

Klaus Eckel

Ich habe beschlossen, meinen „Dry January“ im Februar zu machen. Der hat nur 28 Tage. Damit wird er für temporäre Asketen zum sympathischsten Monat des Jahres. Was mich jedoch schockiert, ich vertrage Alkohol immer schlechter. Mit diesem Outing droht mir in Österreich die Ausbürgerung. Mittlerweile folgt auf das Verspeisen von zwei Mon Chéries ein dreitägiger Kater. Ich fürchte, bald genügt es, dass am Esstisch eine Rumkugel vor meinen Augen vorbeirollt, und ich darf nicht mehr Auto fahren.

Beruhigt hat mich die Schlagzeile, dass sogar die Salzburger Landeshauptfrau im Jänner auf Alkohol verzichtet. Ich fürchte, wenn Frau Edtstadler jetzt auch noch gendert, Lastenfahrrad fährt und ihren Cappuccino mit Hafermilch trinkt, wird ihre Koalition platzen. Eine Grüne im Körper einer Schwarzen ist für Blaue zu viel. Der Verzicht auf Alkohol spaltet die Gesellschaft mehr als das Grillen eines veganen Würstchens auf einem Feuerwehrfest. Immer, wenn ich über dieses Thema schreibe, erhalte ich gleichzeitig Mails von ehemaligen Alkoholikern und aktiven Weinbauern. Die einen schenken mir Lob, die anderen verpassen mir ein schriftliches „Ohrenreiberl“. „Der Veltliner ist ein Kulturgut!“ und „Wollen Sie, dass unsere Weinkönigin zur Matcha-Tee-Prinzessin wird?“. Verantwortliche von Obdachloseneinrichtungen und Frauenhäusern teilen die Begeisterung für Alkohol eher selten.

Doch gemäß der österreichischen Tradition, wenn sich zwei streiten, dann suchen wir einen dritten Schuldigen: die Evolution. Warum hat sie das menschliche Gehirn nicht anders programmiert? Warum entwickle ich nicht beim Einräumen des Geschirrspülers und Reinigen des Duschsiphons ein bedenkliches Suchtverhalten? Da könnte ich mir sogar ein „Dry Year“ vorstellen. Doch erst der Verzicht auf etwas zeigt, ob es Macht über einen besitzt. Zur Überprüfung sollten es langjährige Freunde des Alkohols zumindest mit „Dry Sleeping“ versuchen. Während man schläft, trinkt man nichts.

Klaus Eckel ist Kabarettist. Aktuelles Buch: „In meinem Kopf möchte ich nicht wohnen“.

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