Kolumnen
04/14/2019

Kinder, so machen Eure geldgierigen Förderer den Fußball verrückt!

"Tagebuch": Im Ausland ufert das Geschäft mit kickenden Kindern rücksichtslos aus.

von Wolfgang Winheim

Israels Teamchef macht sich Sorgen um den Fußball-Nachwuchs. Um den österreichischen. Andreas Herzog, der nach einem kurzen Heimaturlaub bereits in Tel Aviv für die nächsten EM-Qualifikationsspiele in der Österreich-Gruppe plant, hatte bei der Jugend schon vor seinen Auslandsengagements immer wieder spioniert. Als seine beiden Buben noch gar nicht bei der Admira kickten, „wo vergleichsweise einiges besser ist“.

Entscheidungsträger sollten nicht beleidigt sein, wenn der zum Österreich-Bezwinger mutierte ÖFB-Rekordinternationale aufzeigt,

dass in seiner Heimat frühreife, körperlich überlegene Kinder zu häufig auf Kosten schmächtiger Talente bevorzugt werden, weil (unterbezahlte) Jugendtrainer unter Erfolgsdruck stehen, indem ihre Arbeit nur an der Tabelle gemessen werde.

dass die Stürmerkrise in Österreich, wo in den höchsten Ligen seit Jahren Ausländer dominieren, hausgemacht sei, weil im Jugendtraining „zu viel wert auf ein Ballgeschiebe in Abwehr und Mittelfeld wert gelegt wird“;

dass viel mehr positionsspezifisch geübt werden müsse, „was ein Nachwuchsbetreuer allein mit 18 Spielern nie schaffen kann“;

dass sich bis zum U-14-Bereich sogar mancher Bundesligaklub kaum um seine Buam schert, obwohl denen der Strassenkick fehlt und sie sich gerade im Volksschulalter das fußballerische Basiskönnen – unbewusst – am besten aneignen würden.

Die Klubs wissen, dass es falsch ist, die U-6- bis U-12-Mannschaften zu vernachlässigen. Doch sie wissen auch, dass größere Vereine den kleineren die begabtesten Kleinen bis zum 14. Lebensjahr zum Nulltarif wegschnappen können. Erst danach sind Ausbildungsentschädigungen fällig.

Im Ausland ufert das Geschäft mit kickenden Kindern rücksichtslos aus. So „sicherte“ sich der FC Barcelona den elfjährigen Shane Kluivert, in dem der Knirps (= offiziell dessen Vater, der ehemalige niederländische Nationalspieler Patrick Kluivert) von Barças US-Ausrüster Nike einen hochdotierten Fünfjahresvertrag bekam. Und so soll das Dortmund-Juwel Youssoufa Moukoka, das mit 14 in der U 17-Bundesliga bei unglaublichen 76 Toren hält, laut Bild-Zeitung mit einer Million Euro Startgage vom besagten Sportartikelriesen geködert worden sein.

Freilich halten die Genies im Erwachsenenfußball oft nicht, was man sich im Kindesalter von ihnen versprach. Beispiel Freddy Adu: Der Amerikaner, der als 13-Jähriger vom Schuhkonzern mit einer Million Dollar jährlich angeworben wurde, steht jetzt mit 29 ohne Verein da.

„Dem Buam wurde der Kopf verdreht. Obwohl er vor sechs Jahren zu uns altersmäßig reingepasst hätte, konnte ich den Freddy beim besten Willen nicht für’s US-Olympiateam nominieren“, erinnert sich ...Andreas Herzog.

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