Kolumnen
12.08.2018

Kein blauer Montag für Herzog in Tel Aviv

Es droht Herzog von Medienseite her ein schärferer Wind entgegenzuwehen als vom Mittelmeer.

Salzburgs Schützenkönig Munas Dabbur und dessen Landsmann Alon Turgeman aufseiten der Austria – in Runde zwei liefen zwei Israelis ein. Andreas Herzog sah seinen Teamkandidaten nicht auf die Beine. Obwohl er nur er 58 Kilometer vom Stadion Wals-Siezenheim entfernt seinen Salzburger Feriensitz hat.

Der unfreiwillig lange Urlaub des früheren US-Co-Teamchefs Herzog ist vorbei. Deshalb wird der Vater zweier Admira-Talente heute seinem jüngeren Sohn nur am Telefon zu dessen achtem Geburtstag gratulieren können. Zumal Österreichs Rekordinternationaler Montagvormittag in Tel Aviv seine erste Pressekonferenz als Israels Teamchef zu geben hat.

Ausnahmslos höfliche, nur auf den Sport bezogene Fragen darf Herzog nicht erwarten. Es droht ihm von Medienseite her ein schärfere Wind entgegenzuwehen als vom Mittelmeer. So glaubt das Online-Portal Ynet zu wissen, dass Herzog vor dem WM-Qualifikationsspiel Israel – Österreich 2001 die Palästinenser öffentlich aufgefordert habe, ins Stadion zu kommen, um Österreich anzufeuern.

Eine Unterstellung: „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mit so einer dummen Äußerung die Stimmung zusätzlich anzuheizen“, sagt Herzog.

Dazu muss man wissen: Das Spiel wurde nach einem Flugzeugabsturz (bei dem 40 Israelis im Schwarzen Meer starben) verschoben. Alles vermutete zunächst Terror. Mehrere ÖFB-Nationalspieler verweigerten die Reise nach Israel. Die anderen konzentrierten sich ausnahmslos aufs Match, vermieden jedes heikle Wort. Just Herzog erzielte dann freilich das Freistoßtor zum 1:1, womit Israels WM-Traum endgültig platzte. Prompt erinnert daran der Ex-Internationale Eyal Berkovic. Er will selbst Teamchef werden. Er wittert Freunderlwirtschaft, weil Willi Ruttensteiner Israels Sportdirektor ist. Er wettert angeblich beharrlich gegen Herzogs (einstimmige) Wahl.

Herzog reagiert gelassen. Er fühlt sich auch nicht durch die Gaza-Krise verunsichert und hat in Tel Aviv, von einem Langzeitaufenthalt ausgehend, bereits ein Appartement gemietet .

Auch weiß er , ...

... dass in Social-Media-Zeiten wie diesen diverse Zitate oft bewusst verschärft oder gar erfunden werden;und dass die Bestellung eines ausländischen Trainers überall auf der Fußballwelt unter lokalen Größen und Medien Skepsis auslöst. Siehe Marcel Kollers Wahl zum ÖFB-Teamchef im Jahr 2011. Siehe aktuell Adi Hütter.

Der neue österreichische Frankfurt-Coach wird von Buchmachern unter 18 Bundesliga-Trainer als Rauswurf-Kandidat Nummer 2 (hinter dem Nürnberger Michael Köllner) gereiht. Obwohl Hütter sein erstes Pflichtspiel erst bevorsteht. Wenn Frankfurt heute im Supercup den FC Bayern empfängt.