Kolumnen
04/20/2019

Ich möchte, dass Sie mich ein bisschen beneiden.

Über Rom, Urlaub allein, das nach Hause Kommen, das bei sich Sein und über Sitzkreis-Phrasen.

von Guido Tartarotti

Ich möchte, dass Sie mich ein bisschen beneiden. Diesen Text schreibe ich, während ich in Rom in der Sonne sitze, vor einem netten Lokal in der Subura, und nein, keinen Kaffee trinke, denn Kaffee vertrag ich nicht, außerdem ist es schon Nachmittag, also lieber ein kleines Bier, grazie mille!

Waren Sie schon einmal alleine auf Urlaub? Ich habe das erst einmal gemacht, vor 15 Jahren war ich eine Woche alleine auf einer griechischen Insel, der Urlaub war anders gedacht gewesen, eine Trennung hatte die Reisepläne umgeschrieben. Es war damals ein ziemliches Chaos in mir und um mich, ich erinnere mich an nicht mehr viel, nur eines ist mir unvergesslich: der Abend, an dem ich gemeinsam mit griechischen, amerikanischen und steirischen Musikern Bob-Dylan- und STS-Songs in einem Lokal spielte und dafür sogar Applaus und ein gutes Essen bekam.

Diesmal habe ich die Reise ganz genau so geplant. Ich war schon so oft in Rom, daher habe ich mir diesmal bewusst keine Sehenswürdigkeiten vorgenommen und bin bewusst auf eine ganze Woche hergekommen. Ich möchte hier einfach „sein“, leben, arbeiten, spazieren gehen, Sport betreiben, lesen, am Abend unspektakulär was essen gehen, wie zu Hause auch.

Stichwort zu Hause: Nach Rom kommen hat sich für mich immer angefühlt wie nach Hause kommen. Ich habe keine Ahnung, warum. Seit ich als 14-Jähriger erstmals hier war, hat mich die Stadt fasziniert, weil sie gleichzeitig die Hauptstadt eines großen Landes, eines Reichs der Vergangenheit und eines Reichs der Himmel ist, und diese drei Städte einander auf ganz merkwürdige Weise durchdringen.

Und Rom wirkt bei mir sofort: Nach einem Tag habe ich – und ich hasse es, solche Sitzkreis-Redewendungen zu verwenden! – gespürt, dass ich bei mir bin. Nach Rom zu reisen, das heißt für mich: Urlaub bei mir selber. Und ich habe es ziemlich lustig mit mir, das können Sie mir glauben ...