Kolumnen
08/24/2019

"Ich ess jetzt ein Butterbrot" - "Wäh, widerlich, grauslich"

"ÜberLeben": Wie die sozialen Medien (nicht) funktionieren.

von Guido Tartarotti

Die sozialen Medien sind dysfunktionale Familienaufstellungen geworden. Facebook und Twitter beweisen jeden Tag, dass der Mensch im Grunde genommen nicht dazu geeignet ist, mit Seinesgleichen zu kommunizieren.

Eine typische Kommunikationskette könnte dort zum Beispiel so aussehen: Man postet ganz unschuldig „Ich ess jetzt ein Butterbrot.“

1. User: Endlich schreibt das wer. Heute darf man das ja NICHT MEHR sagen. Teilen teilen teilen!

2. User: Butterbrot ist grauslich, das weiß jeder !!!11!!

3. User: Weißt du nicht, dass Kühe für deine Butter leiden müssen?

4. User: Warum isst du kein Marmeladebrot?

5. User: Dieses Posting ist strukturell rassistisch und antifeministisch, Butterbrot ist die typische Mahlzeit alter, weißer Männer, Butterbrote unterstützen das Patriarchat!

6. User: Jeder weiß, dass der KURIER von der Butterbrotindustrie gekauft worden ist!

7. User: Anstatt dir den Bauch vollzuschlagen, solltest du dir lieber überlegen, was du gegen den Klimawandel  tun könntest.

8. User: Schon mal drüber nachgedacht, wie viel Treibhausgas dein Butterbrot verbraucht, bis es bei dir ankommt?

9. User: Wie kannst du fressen, wenn in (irgendein Land nach freier Wahl einsetzen) die Menschen hungern/Kinder arbeiten müssen/Regimekritiker gefoltert werden?

10. User: Wäh, widerlich, grauslich, pfui.

11. User: Wie kann man bitte Butterbrote essen, wo alle wissen, dass das die Lieblingsspeise von HC Strache ist?

12. User: Kurz will alle Butterbrote schreddern lassen, damit die Armen hungern!

13. User: Du biest ein blöter Lingseksdrema!

14. User: Die Medien vertuschen, dass  Butterbrote mit Masernimpfstoffen versetzt werden, von denen man homosexuell wird!

15. User: Findet ihr auch, dass Ö3 immer schlechter wird?

16. User: Iss lieber einen Salat, auf deinen Fotos siehst du fett aus.

17. bis 253.User: Meine Lieblingsbutter ist (irgendwas einsetzen).