Kolumnen
08.12.2018

Hütteldorf-Hacking wünscht gute Reise

Wege aus dem Westen oder: Wo sind eigentlich die Rad-Rowdys geblieben?

Lange nichts von den Rad-Rowdys gehört. Seit die E-Scooter durch Wien rollen (oder im Weg herumstehen), scheint dem hier beinahe schon Tradition gewordenen Zorn auf die Radler die Glut ausgegangen.

Im äußersten Westen ist alles ein bisserl anders als in der Innenstadt. Trends finden, wenn überhaupt, zeitversetzt statt. Und so sind im bereits von Hermann Leopoldi gepriesenen Hütteldorf-Hacking auch die Roller noch nicht angekommen.

Hier wird sogar bei Schneeregen geradelt, doch Rad-Rowdy findet man weit und breit keinen: Das Konfliktpotenzial mit den Fußgängern ist im Vergleich zum Ring enden wollend und bei den regionaltypisch dicken SUVs würden die Radler ohnehin den Kürzeren ziehen.

Den Wientalradweg, der von Auhof stadtauswärts besonders schön ist, teilen sich Radler und Jogger gerecht. Stadteinwärts Richtung Büro sind beide Methoden der Fortbewegung allerdings nur bedingt zu empfehlen. Es soll zwar Leute geben, die in die Arbeit joggen, das Radeln jedoch zahlt sich gen Osten höchstens bis zur Kennedybrücke aus. Ab dann wird’s mühsam. Schlechte Beschilderung, ständiger Wechsel vom linken auf das rechte Ufer des Wienflusses, viele Kreuzungen – in Summe wenig alltagstauglich.

Alternative? Die stets gut besuchte U4? Soziophob Veranlagte sollten diese Linie zwischen sechs Uhr Früh und elf Uhr abends meiden. Schwierig für Werktätige.

Wie beschaulich ist dagegen die Fahrt mit der Vorortelinie S45! Es hat einen eigenen Charme, wenn verschlafenen Berufspendlern mit den Worten „Wir wünschen Ihnen eine gute Reise“ frühmorgens Urlaubsgefühle vermittelt werden – auf einer Strecke, die von Hütteldorf bis längstens Handelskai führt.

Auch die Fahrt mit der sogenannten Verbindungsbahn von Hütteldorf in Richtung Stadlau ist sehr sehenswert. Man kann das Aus-dem-Fenster-Schauen nicht genug empfehlen! St. Veit, Speising oder Hetzendorf galten nicht umsonst einst als Sommerfrischen. Dass die Bahn künftig abschnittsweise in Hochlage geführt werden soll, könnte die Sehenswürdigkeit der Gegend mindern, befürchten Anrainer – und rufen heute zum Protestmarsch auf.

Wer weiß, ob sich die Hietzinger aus diesem Anlass nicht auch ein paar Rad-Rowdys aus der Innenstadt zu Hilfe holen, um ihrem Zorn Nachdruck zu verleihen. Zur Not tun’s auch Roller, mit oder ohne E. Wir S45-Fahrgäste wünschen gute Reise.