Kolumnen
11/21/2020

Herrenlederhoden

"ÜberLeben": Nachrichten aus der Quarantäne - der rückwärts eingenommene Kabeljauch.

von Guido Tartarotti

Die Theater sind geschlossen, und das ist auch aus therapeutischen Gründen problematisch. Einen Hinweis darauf gibt ein Erlebnis, das unsere Leserin Gertrude B. im Theater in der Josefstadt hatte. Neben ihr saß ein Herr, der schon zu schimpfen begann, bevor die Aufführung überhaupt angefangen hatte. Er schimpfte während der ganzen Vorstellung, und am Ende rief er laut „Buh!“.  Frau B. fragte ihn, warum er überhaupt ins Theater gehe, wenn er doch schon vorher wisse, dass es ihm nicht gefallen werde? Seine Antwort:  „Dazu hab ich doch ein Abo, damit ich mich aufregen kann!“ Was machen Leute wie dieser Mann jetzt im Lockdown? Mit ihren Haustieren schimpfen? Mit ihren Topfpflanzen? Mit ihren Möbeln?

Mir ist im Lockdown vor allem fad. Ich sitze in Quarantäne,  ich bin eine sogenannte K1, aber dafür interessieren sich die Behörden nicht. Eine liebe Freundin von mir ist positiv, und niemand wollte ihre Kontaktpersonen wissen. Also habe ich mich freiwillig isoliert.

Gegen die Langeweile lese ich alte E-Mails. Der Leser Peter W. schrieb mir über ein Wirtshaus, das sein Vater oft aufsuchte. Dort hing ein Schild: „Mitgebrachte Speisen müssen rückwärts eingenommen werden.“ Das ist stimmig: Österreich ist ein Land, wo man nicht nur rückwärts in die Straßenbahn einsteigt, also mit dem Popo voraus, sondern auch rückwärts Speisen einnimmt, also erbricht. Vor allem in Zeiten wie diesen.

Der Leser Johann B. schickte mir ein Zeitungsinserat eines Trachtenmodehauses. Darauf steht: „Herrenlederhoden ab 50,- Euro. Aktion gültig, solange der Vorrat reicht.“ Also, falls jemand Bedarf hat ... der Preis erscheint günstig.

Johann F. wiederum hat auf einer Tafel vor einem Lokal in der Wiener Innenstadt gelesen: „Kabeljauch“. Das erinnert mich daran, dass ich einmal auf einer Speisekarte im Burgenland das Gericht „Räucherlach“ entdeckt habe. Räucherlach klingt ein wenig illegal, aber wir könnten es derzeit alle dringend brauchen.

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